Der Medizinische Dienst (MD) hat in einem aktuellen Positionspapier mehr Transparenz bei der Aufarbeitung und Offenlegung von Behandlungsfehlern gefordert. Nach Einschätzung des MD werde in deutschen Kliniken und Arztpraxen noch immer zu selten offen über Fehler gesprochen. Das führe nicht nur zu einem Vertrauensverlust bei Patientinnen und Patienten, sondern verhindere auch systematische Lernprozesse im Gesundheitswesen.
Laut einer Auswertung des Medizinischen Dienstes wurden allein im Jahr 2024 über 13.000 Verdachtsfälle von Behandlungsfehlern geprüft. In mehr als 20 Prozent der Fälle bestätigten sich die Fehler bei ärztlichen oder pflegerischen Maßnahmen.
Verbesserung der Patientensicherheit im Fokus
Der MD betont, dass eine verpflichtende Offenlegung gegenüber den betroffenen Patientinnen und Patienten ein wichtiger Schritt zu mehr Patientensicherheit wäre. Fachgesellschaften und Patientenvertreter unterstützen die Forderung und fordern gesetzliche Regelungen, die medizinische Einrichtungen stärker in die Pflicht nehmen.
„Ein transparentes Fehlermanagement ist kein Fingerzeig, sondern eine Chance zum Lernen“, erklärte die MD-Bundesvorsitzende in einem aktuellen Interview. Es gehe um Kulturwandel und Verantwortung, nicht um Schuldzuweisungen.
Kritik an mangelnder Fehlerdokumentation
Kritik äußert der Medizinische Dienst auch an der unzureichenden Erfassung von Zwischenfällen. Viele Einrichtungen meldeten fehlerhafte Behandlungen nicht konsequent oder anonymisierten die Daten so stark, dass keine Rückschlüsse auf systemische Probleme möglich seien. Ein zentrales Register für Behandlungsfehler könne hier Abhilfe schaffen.
Perspektive der Patientenorganisationen
Patientenverbände begrüßen den Vorstoß, weisen aber darauf hin, dass Betroffene oft hohe Hürden überwinden müssen, um überhaupt Informationen über mögliche Fehlhandlungen zu erhalten. Eine gesetzliche Pflicht zur Aufklärung – ähnlich wie in Skandinavien – würde das Vertrauen in das Gesundheitssystem stärken.
Quellen
MD fordert konsequentere Aufklärung von Patienten über Kunstfehler
Mehr Transparenz bei Fehlbehandlungen gefordert