Siemens hat seit einem Jahrzehnt sein Industriereich systematisch aufgebrochen, initiiert von Joe Kaeser und fortgesetzt unter Roland Busch. Die Strategie zielte darauf ab, unrentable Bereiche wie Energie und Medizintechnik abzuspalten, um Fokus auf Kernsparten wie Industrie und Digitalisierung zu legen. Kürzlich verkündete der Konzern die Entkonsolidierung von Siemens Healthineers durch Abspaltung von 30 Prozent der Anteile an Aktionäre, was die Beteiligung von 67 auf unter 37 Prozent senkt. Dadurch erlöst Siemens Milliarden, etwa 3,7 Milliarden Euro aus dem Healthineers-Verkauf plus 2,75 Milliarden aus Siemens Energy.
Finanzielle Erfolge und Kritikpunkte
Der Konzern meldet Rekordgewinne: 10,4 Milliarden Euro nach Steuern, ein Umsatzplus von fünf Prozent und eine steigende operative Marge seit 2021. Investoren begrüßen die Entflechtung, da sie Komplexität reduziert und Kapital für Akquisitionen wie Altair und Dormatics freisetzt. Dennoch reagierte die Börse mit Kursstürzen trotz positiver Zahlen, was das „Siemens-Paradoxon“ illustriert – hohe Gewinne, aber Skepsis an der Schrumpfung.
Risiken und Stellenabbau
Die Zerschlagung birgt Risiken: Siemens plant rund 6.000 Jobs in Deutschland abzubauen, vor allem in rückläufigen Märkten wie Ladesäulen. Gewerkschaften kritisieren dies als unverständlich angesichts der Gewinne und warnen vor einer „radikalen Schrumpfkur“. Zudem fordert ein Hedgefonds die Zerschlagung von Siemens Energy, was weitere Unsicherheiten schürt. Die operative Kontrolle über profitable Töchter wie Healthineers geht verloren, was den Konzern potenziell verzwergt.
Quellen
Siemens filetiert sich: Bilanz nach zehn Jahren Zerschlagung
Von Mischkonzern zu Hat die Siemens-Umstrukturierung gereizt?

