Ob Cyberangriffe auf Netze, Sabotage an Bahntrassen oder Ausfälle in der Energieversorgung – Deutschlands kritische Infrastruktur steht zunehmend im Fokus von Angreifern. Nach Angaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nahm die Zahl gemeldeter Sicherheitsvorfälle im Jahr 2025 um rund 35 % zu. Besonders betroffen seien Energieunternehmen, Verkehrsnetze und Kommunikationsdienste
Alte Systeme, neue Bedrohungen
Ein zentrales Problem liegt im Alter vieler Anlagen. Ob Stromnetze, Wasserwerke oder Verkehrsleitsysteme – viele der zentralen Steuerungen basieren auf Software-Architekturen aus den 1990er-Jahren. Diese seien laut Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) nicht auf heutige Bedrohungsszenarien ausgelegt und oft nur unzureichend abgesichert.
Selbst kleine Störungen können weitreichende Folgen haben, wie der Teilausfall des Bahnverkehrs im Norden Deutschlands im Jahr 2022 zeigte – ausgelöst durch Sabotage an Signalleitungen.
Cyberangriffe als reale Gefahr
Cyberattacken gegen Institutionen und Unternehmen sind längst keine theoretische Möglichkeit mehr. Laut einer Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) verursachten Angriffe auf IT-Infrastruktur und Produktionsanlagen 2024 wirtschaftliche Schäden von über 200 Millionen Euro. Besonders russische und chinesische Hackergruppen gelten als aktiv im Bereich Cyberkriminalität gegen westliche Staaten.
Darüber hinaus warnen Sicherheitsexperten vor sogenannter hybrider Kriegsführung, bei der Cyberattacken mit Desinformationskampagnen kombiniert werden, um öffentliche Unsicherheit zu verstärken.
Fehlende Redundanz und mangelhafte Koordination
Deutschland besitzt im europäischen Vergleich nur begrenzte Redundanzsysteme. Während in Skandinavien viele Strom- und Datennetze doppelt abgesichert sind, existieren hierzulande Lücken bei Ersatzverbindungen und Notfallkommunikation.
Ein weiterer Schwachpunkt ist die ungleiche Zuständigkeit zwischen Bund, Ländern und privaten Betreibern. Diese führt laut dem Deutschen Städte- und Gemeindebund häufig zu Verzögerungen bei Krisenreaktionen und Investitionsentscheidungen.
Wege zu mehr Sicherheit
Um die Verwundbarkeit zu reduzieren, fordern Experten eine nationale Cyberstrategie 2.0, die sowohl öffentliche als auch private Akteure stärker einbindet. Priorität hätten moderne Sicherheitsstandards, Investitionen in Redundanz und eine zentrale Krisenkoordination. Zudem müsse die Bevölkerung stärker über Risiken und Notfallmaßnahmen informiert werden, um im Ernstfall widerstandsfähiger zu reagieren.
Quellen
Wie Angriffe Deutschlands Infrastruktur erschüttern könnten
Verwundbar und veraltet: Deutschlands kritische Systeme im Visier