Die EU-Mitgliedstaaten haben am 9. Januar 2026 eine qualifizierte Mehrheit für die Unterzeichnung des lang verhandelten Freihandelsabkommens mit dem Mercosur-Block (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay) abgegeben. Dieser Schritt markiert das Ende von über 25 Jahren Verhandlungen und schafft einen der größten Freihandelsräume weltweit mit mehr als 700 Millionen Menschen. Die formelle Unterzeichnung könnte bereits nächste Woche in Paraguay erfolgen, benötigt jedoch noch die Zustimmung des Europäischen Parlaments.
Hintergrund der Verhandlungen
Das Abkommen wurde bereits im Dezember 2024 von der EU-Kommission unter Ursula von der Leyen abgeschlossen, stieß jedoch auf Widerstand von Ländern wie Frankreich aufgrund Bedenken um den Agrarsektor. Frankreich, der größte Agrarproduzent der EU, warnt vor billigen Importen von Rindfleisch, Geflügel und Zucker, die einheimische Landwirte bedrohen könnten. Letzte Zugeständnisse wie Schutzmaßnahmen, strengere Pestizidkontrollen und ein Krisenfonds für Bauern überzeugten u. a. Italien, die notwendige Mehrheit von 65% der EU-Bevölkerung zu sichern.
Wirtschaftliche Vorteile für die EU
Der Handel zwischen EU und Mercosur belief sich 2024 auf 111 Milliarden Euro; das Abkommen eliminiert Zölle in Höhe von 4 Milliarden Euro auf Exporte wie Maschinen, Chemikalien, Autos und Wein. Für Deutschland als Exportnation verspricht es neue Märkte für Industrieprodukte und reduziert Abhängigkeiten von China durch Zugang zu Rohstoffen. Mercosur exportiert primär Agrarprodukte und Mineralien, was die EU-Versorgung diversifiziert – ein Signal gegen protektionistische Tendenzen wie US-Zölle.
Proteste und Kritik
Trotz der Zustimmung protestierten Bauern in Frankreich, Belgien und Polen massiv gegen den Deal, da er europäische Landwirtschaft unter Druck setze. Frankreichs Landwirtschaftsministerin Annie Genevard kündigte Kampf im Parlament an, wo die Abstimmung in den kommenden Monaten erwartet wird. Länder wie Polen, Österreich, Irland und Ungarn stimmten dagegen, Belgien enthielt sich.
Ausblick und nächste Schritte
EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen betonte die strategische Bedeutung in einer protektionistischen Welt. Deutsche Politiker wie Finanzminister Lars Klingbeil begrüßten den Pakt als Partnerschaftssignal. Nach der Unterzeichnung muss das Parlament ratifizieren; bis dahin könnten vorläufige Anwendungen greifen.
Quellen
EU gibt Grünes Licht: Mercosur-Pakt trotz Bauernprotest
Historischer Freihandel: EU und Mercosur einigen sich endlich