Nach Monaten relativer Stabilität könnten die Bauzinsen in Deutschland laut aktuellen Analystenschätzungen bald wieder auf bis zu 4,5 Prozent steigen. Hauptursache sind die neuen geldpolitischen Signale der Europäischen Zentralbank (EZB), die angesichts der weiterhin robusten Inflation nur langsam von ihrer restriktiven Linie abrückt.
Laut Daten von Interhyp, FinanzCheck.de und mehreren Baufinanzierungsplattformen haben große Banken in den vergangenen Wochen damit begonnen, Zinsaufschläge von 0,1 bis 0,3 Prozentpunkten vorzubereiten. Das betrifft vor allem Neukredite mit einer Laufzeit von über zehn Jahren.
Nachfrage am Immobilienmarkt bleibt verhalten
Die Nachfrage nach Wohnimmobilien ist seit dem Zinsanstieg 2022 deutlich eingebrochen. Viele Kaufinteressenten warten weiter auf günstigere Preise oder hoffen auf eine raschere geldpolitische Lockerung. Laut einer ifo‑Umfrage vom November 2025 rechnen nur 28 Prozent der Bauträger mit einer Belebung des Markts im kommenden Jahr.
Gleichzeitig bleibt das Angebot knapp, insbesondere in Ballungsräumen wie München, Hamburg oder Frankfurt, wo steigende Baukosten und hohe Grundstückspreise die Kalkulation neuer Projekte erschweren.
Experten empfehlen frühzeitige Anschlussfinanzierung
Finanzexperten raten Hausbesitzern mit auslaufenden Darlehen, sich bereits jetzt um eine Anschlussfinanzierung zu kümmern. Laut Bundesverband deutscher Banken (BdB) könnten Forward-Darlehen in den nächsten Monaten wieder spürbar teurer werden, falls die EZB erst im Herbst 2026 mit Zinssenkungen beginnt.
Einige Marktanalysten, darunter ING Research und DZ Bank, prognostizieren für das Gesamtjahr 2026 einen Bauzinskorridor zwischen 3,8 und 4,5 Prozent, abhängig von Lohnentwicklung, Energiepreisen und Inflationstrends im Euroraum.
Quellen
Ende der Zinsflaute: Immobilienkredite könnten bald teurer werden
Baukosten unter Druck: Banken erwarten erneut steigende Kreditzinsen