Die Schwarzenbachtalsperre bei Forbach im mittleren Schwarzwald ist derzeit bundesweit in den Schlagzeilen – nicht nur wegen ihrer historischen Bedeutung als Deutschlands erste Gussbetontalsperre, sondern auch wegen umfangreicher Sanierungs‑ und Baumaßnahmen. Die Stausee-Entwicklung prägt 2026 die Region am Murgtal und wirft Fragen nach Sicherheit, Naturschutz und Energieerzeugung auf.
Entleerung der Schwarzenbachtalsperre
Die Schwarzenbachtalsperre wird seit dem Winter 2025/26 schrittweise entleert, um die rund 400 Meter lange und 65 Meter hohe Staumauer zwischen Forbach und Gernsbach zu prüfen und zu sanieren. Der Pegel wird pro Woche um etwa einen Meter gesenkt, sodass der See bis voraussichtlich Oktober 2026 nahezu trocken liegen wird.
Dieser Prozess ist ein seltenes Ereignis: Das über 100 Jahre alte Bauwerk wird nur noch selten komplett ausgepumpt, sodass viele Besucherinnen und Besucher die Schwarzenbachtalsperre in diesem „Nacktzustand“ nur einmal im Leben erleben werden. Gleichzeitig werden Sperrungen von Uferwegen erwartet, um die Sicherheit während der Entleerung zu gewährleisten.
Bau eines neuen Pumpspeicherkraftwerks
Hintergrund der Entleerung ist der Ausbau des Pumpspeicherkraftwerks Forbach durch die Energie Baden‑Württemberg (EnBW). Die Schwarzenbachtalsperre dient dabei als Oberbecken und wird über einen neuen Zugangs‑ bzw. Schwarzenbachstollen mit der unterirdischen Kavernenstufe verbunden.
Bis Ende 2027 soll das erweiterte System eine kapazitiv stärkere Rolle in der Energiewende spielen, indem es Regelleistung und Netzstabilität im süddeutschen Stromnetz unterstützt. Die Investitionen für die Sanierung und den Anschluss liegen im Bereich von rund 130 Millionen Euro, womit die Schwarzenbachtalsperre weiterhin als zentrale Infrastruktur im Schwarzwald gilt.
Fischerei und Naturschutz
Wegen der Entleerung und der Bauarbeiten wurden die Fischereiregelungen an der Schwarzenbachtalsperre angepasst. Ab dem 1. April 2025 gelten bis zur vollständigen Restentleerung des Stausees aufgehobene Schonmaße und Schonzeiten sowie keine Fangbegrenzung für bestimmte „Gutfische“, während Besatzmaßnahmen vorübergehend eingestellt wurden.
Ab 1. Januar 2026 ist das Angeln an der Schwarzenbachtalsperre bis auf Weiteres untersagt, um die Arbeiten sicher ablaufen und die bestehenden Fischbestände sorgfältig in andere Gewässer umgesetzt zu können. Parallel werden im Murgtal Projekte zur Wiederansiedlung von Lachsen und anderen heimischen Fischarten vorangetrieben, sodass die Schwarzenbachtalsperre langfristig auch als ökologischer Lebensraum erhalten bleibt.
Aktuelle Ereignisse rund um die Schwarzenbachtalsperre
Zuletzt sorgte ein grausamer Fund im Stausee für Schlagzeilen: Am Wochenende wurden bei der Entleerung der Schwarzenbachtalsperre in Forbach menschliche Überreste entdeckt, die nach Ermittlungen der Polizei zu einer seit Jahren vermissten Frau gehörten. Die Leiche wurde von Passantinnen und Passanten im immer niedriger werdenden Wasser gesichtet, was die Bedeutung der laufenden Sanierungs‑ und Sicherheitsmaßnahmen erneut deutlich machte.
Parallel laufen die Vorbereitungsarbeiten für die Staumauersanierung konsequent weiter, sodass die Schwarzenbachtalsperre in den nächsten Jahren als Beispiel für den Umbau historischer Energiewerke im Zeitalter der Energiewende gelten wird.
Quellen
Stausee der Schwarzenbachtalsperre Forbach wird leergefischt und abgelassen
Geänderte Regelungen zum Angeln in der Schwarzenbachtalsperre