Keine Werbung mehr für Schokolade & Co.: Wie Deutschland Kinder besser schützen will

06/01/2026
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werbeverbot kinderlebensmittel deutschland

In Deutschland ist Kinderwerbung für Süßigkeiten, Snacks und stark zuckerhaltige Getränke seit Jahren ein gesundheitspolitisches Reizthema, weil Übergewicht und Adipositas bei Kindern deutlich zugenommen haben. Laut Fachverbänden entfallen rund 90 Prozent der Werbung, die Kinder wahrnehmen, auf Produkte mit ungünstigem Nährwertprofil wie Fast Food, süße Getränke und Süßwaren.​

Zahlreiche medizinische Organisationen betonen, dass Werbebeschränkungen ein wirksamer Hebel sind, um Fehlernährung und Übergewicht bei Kindern zu reduzieren. Internationale Beispiele wie Großbritannien, wo Junkfood im TV nur noch spätabends beworben werden darf und im Internet teils gar nicht mehr, werden dabei häufig als Vorbild genannt.​

Was die Bundesregierung konkret plant

Die Ampel-Koalition hat im Koalitionsvertrag festgeschrieben, dass an Kinder gerichtete Werbung für Lebensmittel mit hohem Zucker‑, Fett‑ oder Salzgehalt (HFSS‑Lebensmittel) künftig in Formaten für Unter‑14‑Jährige nicht mehr erlaubt sein soll. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) unter Cem Özdemir hat dafür 2023 einen Gesetzentwurf vorgelegt, das sogenannte Kinderlebensmittel‑Werbegesetz.​

Der Entwurf sieht vor, Werbung für Produkte mit zu viel Zucker, Fett oder Salz stark einzuschränken, wenn sie sich an Kinder richtet – insbesondere in Fernsehen, Social Media, Influencer‑Marketing und im Umfeld von Schulen, Kitas und Spielplätzen. Als Maßstab sollen die Nährwertprofile der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dienen; Ausnahmen sind etwa für Milch und bestimmte Obstsäfte vorgesehen.​

So sollen Schokolade & Co. aus Sicht der Politik eingeschränkt werden

Kern des Gesetzes ist nicht ein generelles Werbeverbot, sondern eine deutliche Beschränkung der Reichweite und Attraktivität von Junkfood-Werbung für Kinder. Vorgeschlagen sind unter anderem:​

  • Zeitliche Beschränkungen: Fernsehwerbung für ungesunde Lebensmittel soll zwischen 6 und 23 Uhr weitgehend unterbunden werden, wenn sie Kinder adressiert oder von ihnen typischerweise gesehen wird.​
  • Räumliche Verbote: Plakatwerbung und Außenwerbung im direkten Umfeld von Schulen, Kitas, Spielplätzen und Sportvereinen sollen für entsprechende Produkte untersagt oder stark eingeschränkt werden.​
  • Digitale Kanäle: Influencer‑Marketing, YouTube‑Pre‑Rolls oder Social‑Media‑Ads, die sich erkennbar an Kinder richten oder in kinderaffinen Umfeldern ausgespielt werden, sollen verboten werden.​

Gesundheitsorganisationen sprechen von einem „Meilenstein“ für die Kindergesundheit, weil freiwillige Selbstverpflichtungen der Lebensmittelindustrie nach ihrer Einschätzung bisher kaum Wirkung gezeigt haben.​

Kritik von Industrie, Medien und Opposition

Wirtschaftsverbände und Teile der Opposition werfen der Regierung vor, mit dem Gesetz faktisch ein „Lebensmittelwerbeverbotsgesetz“ einzuführen. Der Markenverband argumentiert, dass 60 bis 70 Prozent der Lebensmittelwerbung betroffen wären, weil viele Produkte die strengen WHO‑Profile nicht erfüllen.​

Branchenvertreter warnen vor Milliardenverlusten für Medienhäuser, Sportvereine (wegen Sponsoring) und die Lebensmittelwirtschaft sowie vor einem Rückgang von Innovationen. FDP und CDU sprechen von staatlicher Bevormundung und pochen auf Eigenverantwortung der Verbraucher, während sie die Wirksamkeit von Werbeverboten auf das Ernährungsverhalten anzweifeln. Medizinische Fachgesellschaften halten diese Argumente für empirisch nicht belegt und verweisen auf eine breite Evidenzbasis zugunsten von Werbeschranken.​

Zwischen Kinderschutz und Marktfreiheit: Wie es weitergeht

Obwohl der Entwurf seit 2023 vorliegt, konnte sich die Bundesregierung bisher nicht auf eine endgültige Fassung einigen, sodass das Vorhaben politisch „in der Warteschleife“ steckt. Gleichzeitig erhöhen mehr als 35 Verbände aus Gesundheits‑, Verbraucher‑ und Sozialbereich den Druck auf Kanzleramt und Koalition, das Gesetz zügig zu verabschieden.​

Solange verbindliche Regeln fehlen, bleibt Kinderwerbung für Schokolade, Süßigkeiten und andere stark verarbeitete Produkte ein fester Bestandteil des Werbealltags – mit erheblichen Folgen für Ernährungsgewohnheiten, Konsumwünsche und langfristige Gesundheitschancen der jungen Generation.

​Quellen

Keine Werbung mehr für Schokolade & Co.: Streit um Schutz der Kinder
Schluss mit Süßigkeiten-Spots: Kommt das Werbeverbot für Junkfood?

Matthias Otto

Matthias Otto

Hallo, mein Name ist Matthias Otto und ich arbeite als Autor bei Investorbit.de. Dort schreibe ich regelmäßig über aktuelle Themen aus den Bereichen Wirtschaft, Finanzen und digitale Trends. Mein Ziel ist es, komplexe Zusammenhänge verständlich zu erklären und meinen Lesern fundierte Einblicke in die Welt der Investments zu bieten. Wenn ich nicht gerade recherchiere oder Artikel verfasse, beschäftige ich mich gerne mit neuen Entwicklungen im Online-Journalismus und digitalen Marketing.

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