Zum zweiten Mal in diesem Jahr sind die Wählerinnen und Wähler im Kosovo aufgerufen, eine neue Regierung zu bestimmen. Nach zehn Monaten des politischen Stillstands und gescheiterten Koalitionsverhandlungen steht Premierminister Albin Kurti vor einer Bewährungsprobe. Der linksnationale Politiker konnte in seiner Amtszeit keinen stabilen Partner finden, um seine Reformagenda umzusetzen. Nun will er die absolute Mehrheit erreichen, um unabhängig regieren zu können.
Opposition wirft Kurti Spaltung vor
Die Opposition kritisiert Kurtis Führungsstil scharf. Vertreter der Demokratischen Partei des Kosovo (PDK) und der Allianz für die Zukunft des Kosovo (AAK) werfen ihm vor, das Land durch populistische Rhetorik zu polarisieren und außenpolitische Spannungen – etwa mit Serbien – zu verschärfen. Kurti hingegen verweist auf Erfolge im Kampf gegen Korruption und auf Fortschritte bei der Digitalisierung der Verwaltung. Seine Bewegung „Vetevendosje“ („Selbstbestimmung“) setzt auf nationale Souveränität und soziale Gerechtigkeit – Themen, die in einem Land mit hoher Arbeitslosigkeit auf fruchtbaren Boden fallen.
EU-Beitritt in weiter Ferne
Die politische Instabilität im Kosovo belastet auch das Verhältnis zur Europäischen Union. Während Brüssel auf stabile Institutionen und Fortschritte im Dialog mit Belgrad drängt, blockieren sich die politischen Lager gegenseitig. Trotz kleinerer Erfolge, etwa in der Visa-Liberalisierung, bleibt der EU-Beitritt ein fernes Ziel. Beobachter sehen in der aktuellen Wahl eine Richtungsentscheidung: Zwischen Kontinuität mit Kurti oder einem neuen politischen Kurs.
Gesellschaft zwischen Hoffen und Ermüdung
In der kosovarischen Gesellschaft wächst der Frust über ständige Machtkämpfe und fehlende wirtschaftliche Perspektiven. Viele junge Menschen verlassen das Land in Richtung Deutschland, Schweiz oder Österreich – auf der Suche nach Arbeit und Stabilität. Dennoch hoffen zahlreiche Wähler, dass die heutigen Wahlen endlich zu einer Regierungsbildung führen, die grundlegende Probleme angeht.
Quellen
Neue Regierung oder Dauerkrise im Kosovo?
Kosovo: Vorgezogene Neuwahlen am 28. Dezember geplant


