Die Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Heidi Reichinnek, hat in einem aktuellen Interview offen über ihr Leben mit Migräne gesprochen. Sie erzählte, wie die wiederkehrenden Kopfschmerzattacken ihren Alltag, aber auch ihre politische Arbeit beeinflussen.
Migräne zählt zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen in Deutschland und betrifft Schätzungen zufolge rund 12–15 % der Bevölkerung – Frauen häufiger als Männer. Trotzdem wird die Krankheit im öffentlichen Diskurs oft unterschätzt oder mit einfachen Kopfschmerzen verwechselt.
Zwischen Bundestag und Belastung: Offenheit als Stärke
Reichinnek schilderte, dass sie trotz der intensiven Symptome versuche, ihren vollen Terminkalender einzuhalten. Sie berichtete von Phasen starker Lichtempfindlichkeit und Übelkeit, die sie regelmäßig zu Pausen zwingen. Dabei fällt es ihr nicht leicht, die notwendige Balance zwischen Leistungsdruck und Selbstfürsorge zu halten.
Mit ihrer Offenheit möchte sie zeigen, dass auch Politikerinnen – deren Alltag von langen Arbeitstagen, Sitzungen und Medienanfragen geprägt ist – mit chronischen Erkrankungen leben.
Warum Migräne mehr gesellschaftliche Beachtung braucht
Nach Einschätzung von Experten ist Migräne nicht nur ein individuelles Problem, sondern auch eine gesellschaftliche Herausforderung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Migräne als eine der zehn Erkrankungen mit der größten Beeinträchtigung der Lebensqualität ein.
Der Neurologe Prof. Hartmut Göbel vom Schmerzzentrum Kiel betont, dass Migränepatienten häufig stigmatisiert werden, weil die Krankheit äußerlich nicht sichtbar ist. Öffentlichkeitswirksame Aussagen wie die von Reichinnek tragen dazu bei, die Enttabuisierung dieser chronischen Erkrankung voranzutreiben.
Medizinische Versorgung und politischer Kontext
In Deutschland bestehen große Unterschiede in der Behandlung chronischer Schmerzen und im Zugang zu spezialisierten Ärzten. Nach Angaben der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) warten viele Patienten monatelang auf Termine in Fachzentren.
Politikerinnen wie Reichinnek könnten durch ihre öffentliche Rolle den politischen Druck erhöhen, um Versorgungsengpässe zu beseitigen und Migräne stärker im gesundheitspolitischen Diskurs zu verankern.
Quellen
Linken-Fraktionschefin Reichinnek berichtet über ihr Leben mit Migräne
Reichinnek spricht über ihre Migräne