Ken Jebsen, der Name polarisiert die deutsche Medienlandschaft seit Jahren. Als ehemaliger Star-Moderator beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) mit seiner Sendung “KenFM” begeisterte er Millionen Hörer durch spontane, unkonventionelle Art. Doch nach Antisemitismus-Vorwürfen und der Trennung vom Sender mutierte er zum prominenten Vertreter alternativer Medien, wo er Verschwörungstheorien zu Themen wie 9/11, COVID-19 und Geopolitik verbreitet. Tatsächlich steht Ken Jebsen heute für eine radikale Medienkritik, die von Anhängern als Aufklärung gefeiert, von Kritikern als Desinformation verurteilt wird. Lassen Sie uns diesen aufregenden Werdegang Schritt für Schritt beleuchten, um zu verstehen, warum er bis heute Wellen schlägt.
Frühe Karriere: Der charismatische Radio-Star
Ken Jebsen, bürgerlich Kayvan Soufi-Siavash, begann seine Laufbahn 1987 als Moderator unter dem Pseudonym “Keks” beim Privatsender Radio Neufunkland in Reutlingen. Seine spontane Art und der ikonische Bananenmikrofon machten ihn schnell zum Publikumsliebling bei Deutsche Welle TV. Bald folgte die Moderation der “Mondscheinshow” im ZDF und Arbeit bei Radio Fritz, wo er mit Volker Wieprecht “Die Radiofritzen am Morgen” präsentierte. Ab 2001 produzierte und moderierte er wöchentlich “KenFM” beim rbb-Sender Fritz – eine Mischung aus Musik, Interviews und gesellschaftlicher Reflexion, die bis 2011 545 Folgen umfasste.
Diese Phase markierte Jebsens Aufstieg zum Jugendidol: Er interviewte Stars wie Drew Barrymore, Oliver Kalkofe und Boris Aljinovic, stellte Newcomer-Bands vor und teilte die Sendung in Rubriken wie “Presseschlau” ein. Die taz lobte es als “Persiflage des Dumm-dumm-Radios”. Dennoch zeigten sich erste Risse: Sein Stil war polemisch, immer schon grenzwertig provokant. Übergangslos floss hier Politik ein, was den Grundstein für spätere Kontroversen legte. 2007 gewann er sogar den Europäischen Civis-Radio-Preis für ein Porträt einer kurdischen Frau in Berlin – ein Höhepunkt seiner Mainstream-Karriere.
Der Skandal 2011: Antisemitismus-Vorwürfe und rbb-Trennung
Alles änderte sich im November 2011, als eine private E-Mail Jebsens publik wurde. Darin schrieb er an einen Hörer, er wisse, “wer den Holocaust als PR erfunden” habe, und implizierte Verbindungen zu Edward Bernays, Goebbels und Figuren wie Henry Kissinger. Publizist Henryk M. Broder machte daraus einen Skandal auf seinem Blog “Achse des Guten”. Der rbb setzte “KenFM” aus, versuchte zunächst, Jebsen zu halten, indem er politische Themen absprechen sollte. Doch Claudia Nothelle, Programmdirektorin, stellte fest: “Zahlreiche Beiträge entsprachen nicht den journalistischen Standards”.
Jebsen räumte die Mail ein, wies Holocaust-Leugnung als “absurd” zurück und klagte später erfolglos gegen Medien wie taz und Spiegel. Gerichte bestätigten: Die rbb-Leitung sah antisemitische Tendenzen, verschwieg sie zunächst. Experte Michael Wuliger aus der Jüdischen Allgemeinen analysierte: “Jebsen gibt Juden teilweise Schuld an ihrem Schicksal und nivelliert moralische Unterschiede zwischen Nazis und Opfern – das gefährdet den Frieden”. Dieser Bruch katapultierte ihn aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dennoch sah er sich als Humanisten: “Ich bin vielleicht irre, aber kein Antisemit”. Der Fall unterstreicht, wie schnell Karrieren kippen, wenn Grenzen überschritten werden.
Aufstieg von KenFM: Alternative Medien und Reichweite
Bereits 2012 startete Jebsen via Crowdfunding sein Portal KenFM – “Freie Medien für freie Menschen”. Mit Spendenaufrufen für 100.000 Euro jährlich baute er ein Netzwerk auf: Interviews, Kommentare und Formate wie “NachdenKen”. Bis 2016 hatte der YouTube-Kanal 500.000 Abonnenten und 40 Millionen Aufrufe; die Website 100.000 tägliche Besucher. Finanziert durch Spenden und Crowdsourcing, vermied er Abhängigkeiten von Anzeigen oder Gebühren. Mitarbeiter wie Ernst Wolff (“The Wolff of Wall Street”) deckten Themen wie Finanzsystem und Elitenkritik ab.
Jebsen interviewte Promis der “Gegenöffentlichkeit”: Daniele Ganser, Udo Ulfkotte, Jean Ziegler. Sein Video zu “Gates kapert Deutschland” knackte 2020 drei Millionen Views in Tagen, trotz Faktenchecks. Akademische Analysen, etwa von Rebecca Strohmeier in ihrer Bachelorarbeit, zeigen: Mainstream-Medien ignorierten KenFM zunächst, reagierten dann mit Skepsis und Hohn, warfen Qualitätsmängel vor. Dennoch wuchs die Echo-Kammer: KenFM wurde zur Plattform für Medienkritik, wo Leitmedien als “okkupiert” galten. Dieser Erfolg speiste sich aus Misstrauen gegenüber etablierten Strukturen – ein Trend, der bis heute anhält.
Kontroverse Themen: Verschwörungstheorien und Geopolitik
Ken Jebsen thematisierte radikal: 9/11 als “Terrorlüge”, kontrolliert gesprengt; Ukraine-Krise als US-CIA-Inszenierung, Russland als Opfer. Bei Mahnwachen für den Frieden 2014/15 war er Hauptredner, warnte vor WW3 und “Gehirnwäsche”. COVID-19 nannte er “Gehorsamsexperiment”, verglich Lockdowns mit NS-Zeit – YouTube sperrte 2020/21 Kanäle. Antisemitismusvorwürfe eskalierten: In “Zionistischer Rassismus” attackierte er Israel-Lobby, sprach von “Endlösung Palästina”. Forscherin Monika Schwarz-Friesel sieht darin “dämonisierende Stereotype”.
Auch Flüchtlingskrise: Zunächst pro-offen, später Warnung vor “Überranntwerden”. Google Scholar-Quellen wie Studien zu Protestplätzen bestätigen: Jebsen füllt Lücken, wo Wissenschaft scheitert, mit Mythen. Übergang zu Querdenken-Demos 2020: Er mobilisierte, verglich Ärzte mit Mengele. Experte Detlef Pollack, Religionssoziologe, betont: “Verschwörungstheorien wie Jebsens sind Joker – sie legitimieren, wo Politik und Religion Lücken lassen”. Solche Positionen binden Follower, polarisieren aber tief.
Nachfolge und aktueller Status: Apolut und AfD-Nähe
Nach YouTube-Sperre und Verfassungsschutz-Beobachtung (seit 2021 als Verdachtsfall) wechselte Jebsen zu apolut.net, später Soufisticated. Aus Schweden und Steueroasen operierend, tourte er 2025 als Kayvan Soufi-Siavash, rief zur AfD-Wahl auf: “Brandmauer-Wahnsinn beenden”. Netzwerke zu RT Deutsch und russischen Propagandisten bestehen. Die MABB stellte Verfahren ein, doch Reichweite bleibt enorm via Telegram und Events.
Trotz Shitstorms und Hacks (Anonymous 2021) finanziert er sich via Spenden. Sein Einfluss auf Querdenker und Rechtspopulisten hält an – ein Phänomen der digitalen Fragmentierung.
Fazit: Eine tragische Medienkarriere?
Ken Jebsen verkörpert den Zerfall traditioneller Medien: Vom rbb-Star zum YouTube-Rebell, der mit Verschwörungstheorien und Elitenkritik Millionen bindet. Während Fans seine “unbequemen Wahrheiten” schätzen, warnen Experten vor Desinformation und Radikalisierung. In Zeiten von Fake News bleibt die Frage: Aufklärung oder Gefahr? Jebsens Fall mahnt zu kritischer Mediennutzung – denn Freiheit endet, wo Fakten enden. Bleiben Sie informiert, prüfen Sie Quellen und debattieren Sie weiter.