Die Geschichte von Burkhard Kress ist eine ergreifende Chronik von Verlust, Mut und der Macht der Prävention. Als erfahrener RTL-Reporter und langjähriger Leiter der Redaktion bei „Extra“, wurde sein Leben durch eine genetische Diagnose auf den Kopf gestellt, die nicht nur ihn selbst, sondern auch seine Familie betraf. Burkhard Kress verlor 2023 seinen Sohn Damian an einen seltenen, aggressiven Magenkrebs – eine Diagnose, die sich später als Folge einer erblichen CDH1-Genmutation herausstellte, die er selbst an seinen Sohn weitergegeben hatte. Diese tragische Erkenntnis führte Kress nicht in Resignation, sondern zu einer mutigen Entscheidung: Er ließ sich prophylaktisch den Magen entfernen, um sein eigenes Leben zu retten und gleichzeitig ein öffentliches Zeichen für die Bedeutung genetischer Früherkennung zu setzen. Seine persönliche Reportage „Extra Spezial: Krebs – warum meine Diagnose Ihr Leben verändern kann“ wurde 2025 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet und markierte zugleich seinen Abschied aus dem aktiven Journalismus. Burkhard Kress steht heute als lebendiges Beispiel dafür, wie medizinisches Wissen, persönliche Courage und öffentliche Aufklärung zusammenwirken können, um das Schicksal von Familien zu verändern.
Burkhard Kress: Vom Undercover-Reporter zum Botschafter der Krebsprävention
Burkhard Kress prägte über drei Jahrzehnte das investigative Format „Extra“ bei RTL und war als Undercover-Reporter bekannt für seine kraftvolle Aufklärungsarbeit. Seine Karriere, die sich über 30 Jahre erstreckte, war geprägt von Enthüllungen und dem Einsatz für die Wahrheit. Doch im Jahr 2023 wurde seine Welt erschüttert, als sein Sohn Damian im Alter von nur 30 Jahren an einem diffusen Magenkarzinom mit Siegelringzellen verstarb. Die Ursache war eine erbliche Veranlagung, die durch eine Mutation im CDH1-Gen verursacht wird – ein seltener, aber extrem aggressiver Krebs, der oft erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert wird. Die genetische Analyse offenbarte, dass sowohl Burkhard Kress als auch seine Tochter Lara Träger dieser Mutation waren. Diese Erkenntnis zwang ihn vor die schwierige Entscheidung: Abwarten oder präventiv handeln. Die medizinische Empfehlung für Träger einer pathogenen CDH1-Variante ist eindeutig: Eine prophylaktische totale Gastrektomie (PTG) wird empfohlen, da endoskopische Untersuchungen oft nicht in der Lage sind, die frühen Krebsherde zu erkennen. Kress entschied sich für den Eingriff, der im Huyssensstift der Evangelischen Kliniken Essen-Mitte durchgeführt wurde. Seine Entscheidung, diesen intimen medizinischen Prozess öffentlich zu machen, war nicht nur ein Akt der persönlichen Verarbeitung, sondern auch ein bewusster Schritt, um andere Betroffene zu erreichen und das Bewusstsein für erbliche Krebsrisiken zu schärfen.
Die CDH1-Genmutation: Ein stiller Killer in der Familie
Die CDH1-Genmutation ist die Ursache für das hereditäre diffuse Magenkarzinom (HDGC), ein autosomal-dominantes Krebs-Syndrom mit einer extrem hohen Penetranz. Träger dieser Mutation haben ein Lebenszeitrisiko von 56–70%, an diffusen Magenkrebs zu erkranken. Besonders tückisch ist, dass die Krebszellen sich flächig unter der Magenschleimhaut ausbreiten und daher bei einer Standardendoskopie oft übersehen werden. Eine prospektive Studie zeigte, dass bei 94% der asymptomatischen Träger, die sich einer prophylaktischen Gastrektomie unterzogen, bereits frühe Karzinome (T1a/pTis) im entfernten Magen gefunden wurden – bei nur 16% dieser Fälle war der Krebs vorher endoskopisch nachweisbar. Diese Daten unterstreichen die begrenzte Wirksamkeit der Überwachung und die lebensrettende Bedeutung des präventiven Eingriffs. Neben dem Magenkrebsrisiko besteht bei Frauen mit CDH1-Mutation auch ein erhöhtes Risiko (bis zu 60%) für lobuläres Brustkrebs. Die genetische Beratung spielt daher eine zentrale Rolle, um betroffene Familien über die Risiken, die Testmöglichkeiten und die präventiven Optionen umfassend aufzuklären. Die Identifizierung eines „index case“, wie in Kress’ Fall sein Sohn Damian, ermöglicht eine gezielte Testung der Verwandten ersten und zweiten Grades, was als „cascade testing“ bezeichnet wird und die Früherkennung in der gesamten Familie verbessert.
Präventive Gastrektomie: Ein radikaler, aber lebensrettender Eingriff
Die prophylaktische totale Gastrektomie ist ein schwerwiegender chirurgischer Eingriff, bei dem der gesamte Magen entfernt und der Speiseröhre direkt mit dem Dünndarm verbunden wird. Die Operation ist komplex und erfordert eine langfristige Umstellung der Ernährung, da die Verdauungsfunktion des Magens verloren geht. Dennoch zeigen Studien, dass asymptomatische Träger einer CDH1-Mutation nach dem Eingriff eine nahezu 100-prozentige Überlebensrate haben, während symptomatische Patienten, bei denen der Krebs erst diagnostiziert wurde, eine deutlich schlechtere Prognose mit einer Zwei-Jahres-Überlebensrate von nur 40% aufweisen. Burkhard Kress berichtete nach seiner Operation, dass er sich „komplett fit“ fühle und sein neues Leben ohne Magen aktiv gestalte. Die postoperative Versorgung umfasst eine lebenslange Substitution von Vitaminen wie B12, Eisen und Kalzium sowie eine angepasste Ernährung mit kleinen, häufigen Mahlzeiten. Die Entscheidung für diesen Eingriff ist hochindividuell und erfordert eine umfassende interdisziplinäre Beratung durch Humangenetiker, Onkologen und Chirurgen. Die Erfahrung von Kress zeigt, dass die psychologische Verarbeitung des Verlustes eines Familienmitglieds und die eigene Diagnose eng miteinander verknüpft sind und eine intensive psychosoziale Unterstützung notwendig machen.
Expertenstimme: Die medizinische Perspektive auf erbliche Krebsrisiken
Ein Experte für klinische Onkogenetik betont: „Die Geschichte von Burkhard Kress ist ein eindrückliches Beispiel für die transformative Kraft der prädiktiven Genetik. Bei Syndromen wie dem HDGC ist die genetische Testung nicht nur diagnostisch, sondern lebensrettend. Die Identifizierung einer CDH1-Mutation ermöglicht es, präventiv zu handeln, bevor der Krebs ausbricht. Die Herausforderung liegt darin, das Bewusstsein in der Bevölkerung zu schärfen und den Zugang zu genetischer Beratung und Testung zu verbessern, insbesondere für Familien mit auffälliger Anamnese“. Die Forschung zeigt, dass viele Betroffene aus Angst vor Diskriminierung oder psychischer Belastung zögern, eine genetische Testung durchzuführen. Dabei ist es entscheidend, dass die genetische Beratung nicht nur medizinische, sondern auch ethische und psychosoziale Aspekte abdeckt, um informierte Entscheidungen zu ermöglichen.
Fazit: Von der persönlichen Tragödie zur öffentlichen Aufklärung
Burkhard Kress hat seine persönliche Tragödie in eine mächtige Botschaft der Hoffnung und Prävention verwandelt. Seine mutige Entscheidung, sich prophylaktisch den Magen entfernen zu lassen, und seine Bereitschaft, diesen Weg öffentlich zu teilen, haben Tausende erreicht und das Bewusstsein für erbliche Krebsrisiken signifikant gestärkt. Seine Geschichte unterstreicht die entscheidende Rolle der genetischen Forschung und Früherkennung im Kampf gegen Krebs. Sie zeigt, dass medizinisches Wissen, wenn es mit persönlichem Engagement verbunden wird, Leben retten kann. Die CDH1-Genmutation mag ein stiller Killer sein, doch durch Aufklärung, genetische Testung und präventive Medizin kann ihre tödliche Wirkung gebrochen werden. Burkhard Kress bleibt nicht nur ein herausragender Journalist, sondern auch ein Vorbild für Mut, Verantwortung und die Kraft der menschlichen Resilienz.


