Intensivmediziner in Deutschland fordern eine deutliche Ausweitung der Grippeimpfempfehlung auf alle Menschen ab sechs Monaten. Hintergrund ist die Sorge vor einer erwarteten frühen und starken Grippewelle, die vor allem Kinder und Jugendliche schwer treffen könnte. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) hat auf ihrem Jahreskongress in Hamburg eindeutig die Ständige Impfkommission (Stiko) aufgefordert, die Influenza-Impfung künftig allen ab sechs Monaten zu empfehlen.
Aktuelle Empfehlungen und Datenlage
Derzeit empfiehlt die Stiko die Grippe-Impfung vor allem für Menschen ab 60 Jahren sowie für Risikogruppen. Neue Daten der Intensivmediziner zeigen jedoch, dass in der vergangenen Saison viele Kinder schwer an Influenza erkrankten – darunter auch viele ohne Vorerkrankungen. Von Januar bis Mai wurden etwa 135.000 Menschen wegen Grippe im Krankenhaus behandelt, darunter knapp 30.000 Minderjährige. Über 500 Kinder und Jugendliche mussten beatmet werden, 82 starben.
Kinder als Infektionstreiber und Schutzbedarf
Intensivmediziner sehen Kinder und Jugendliche nicht nur als besonders gefährdet, sondern auch als wesentliche Treiber der Infektionsketten. Eine breitere Impfkampagne könnte demnach nicht nur den Schutz der Kinder verbessern, sondern auch die Ausbreitung des Virus in Familien und Schulen eindämmen. Die Experten kritisieren die bislang niedrigen Impfquoten in Deutschland und betonen, dass die Grippe keineswegs als harmloses „Schnupfen“ abgetan werden dürfe.
Quellen
Intensivmediziner drängen auf Impfempfehlung für Menschen ab sechs Monaten
Intensivmediziner drängen angesichts einer erwarteten frühen Grippewelle auf eine Ausweitung der Impfempfehlung in Deutschland.