Europas innovativste Volkswirtschaft beschließt, stärker in die eigenen Unternehmen zu investieren

03/03/2026
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Schweizer Start-up Kapital

Alexander Kopylkov über die Lücke zwischen der erstklassigen Forschungsleistung der Schweiz und den 85 % des Start-Up-Kapitals, das weiterhin aus dem Ausland stammt.

Für Alexander Kopylkov, Venture-Capital-Investor und Gründer mit mehr als zwei Jahrzehnten Erfahrung in der Unterstützung wachstumsstarker Unternehmen in Europa und Nordamerika, steht die Schweiz seit Langem für eines der auffälligsten Paradoxe im globalen Venture Capital. Das Land belegt im WIPO Global Innovation Index zum 15. Mal in Folge den ersten Platz. Seine Universitäten — ETH Zürich und EPFL — rangieren in Europa auf Platz eins und zwei bei der Wertschöpfung durch Robotik-Spinoffs und belegen kontinentaleuropaweit den dritten und vierten Platz in der Gesamtwertung. Die Start-Ups des Landes haben gemeinsam einen Unternehmenswert von mehr als 100 Milliarden US-Dollar geschaffen.

Und dennoch: 85 % des Kapitals, das diese Start-Ups finanziert, stammt aus dem Ausland.

„Diese Zahl sollte jeden Schweizer institutionellen Investor beunruhigen“, sagt Kopylkov. „Man hat erstklassige Wissenschaft, erstklassige Talente und eine Exit-Bilanz, um die jeder Markt der Welt beneiden würde. Die Forschung ist hier. Die Gründer sind hier. Das Kapital war es historisch nicht.“

Das beginnt sich zu ändern — und der Februar 2026 ist das bisher deutlichste Signal dafür.

Eine strukturelle Lücke, endlich adressiert

Im Februar 2026 verabschiedete der Swiss Startup Association die Startup-Agenda Schweiz — getragen von 18 Ökosystem-Partnern und aufgebaut auf 20 konkreten Reformen. Ziel sind jährlich 5 Milliarden CHF an Start-Up- Investitionen — mehr als das Doppelte der 2,4 Milliarden CHF, die 2024 investiert wurden — mit einem klaren Fokus auf die Mobilisierung von inländischem institutionellem Kapital, das bislang weitgehend abseitsstand.

Die Rechengrundlage dieses Ziels beginnt mit einer einzigen Zahl: 1,2 Billionen CHF. So hoch ist das Vermögen der Schweizer Pensionskassen. Eine 1-prozentige Umschichtung in inländisches Venture Capital würde 12 Milliarden CHF bedeuten — mehr als das Vierfache des aktuellen Jahresvolumens. Die Agenda fordert keine radikale Verschiebung, sondern eine strukturelle.

Unter Verweis auf den Swiss Deep Tech Report 2025 stellt Kopylkov fest, dass der Anteil internationalen Kapitals in der Wachstumsphase sogar auf 96 % ansteigt. Schweizer Unternehmen, aufgebaut auf Schweizer Wissenschaft, werden überwiegend mit ausländischem Geld skaliert.

„Diese Dynamik ist kein Versagen der Unternehmen“, sagt er. „Es ist eine Lücke im Ökosystem. Und Lücken in Ökosystemen sind Investitionschancen für diejenigen, die als Erste handeln.”

Kapital trifft auf Forschung

Am 2. Februar 2026 — in derselben Woche, in der die Start-Up-Agenda finalisiert wurde — schloss das Zürcher VC-Unternehmen Constructor Capital seinen Debütfonds Fund I über 110 Millionen US-Dollar ab. Der Fonds zielt auf Seed- und Series-A-Investitionen in Deep Tech, Software und EdTech ab und stützt sich auf eine Deal-Pipeline aus einem Netzwerk von mehr als 50 Universitäten, darunter die ETH Zürich und die EPFL.

Die Investitionsthese des Fonds ist präzise formuliert: Forschungseinrichtungen bringen Technologien mit erheblichem Zukunftspotenzial hervor, die vom klassischen Venture Capital häufig unterschätzt werden. Das Portfolio von Constructor Capital spiegelt diese Lücke wider. Es umfasst QuEra Computing, das neutrale Atom-Quantencomputer entwickelt; Lumai, das 3D-optische Computing-Architekturen für KI-Inferenz aufbaut; sowie GCore, einen Anbieter KI-orientierter Cloud-Infrastruktur.

Kopylkov vergleicht diesen Ansatz mit frühen Infrastrukturinvestitionen in früheren Innovationszyklen — mit jenen Investoren, die die „Picks-and-Shovels“-Ebene finanzierten, bevor der Anwendungsmarkt sichtbar wurde. „Die Universitätspipeline ist die verlässlichste Quelle tiefer Verteidigungsfähigkeit in der Technologie“, sagt er. „Proprietäre Forschung, lange Entwicklungszyklen und Domänenexpertise, die ein besser finanzierter Wettbewerber nicht innerhalb von 18 Monaten replizieren kann. Das sind die Eigenschaften, die sich über Zeit verzinsen.“

Der Abschluss von Constructor Capital folgt auf b2ventures Fund V, der im Januar 2026 seinen Hard Cap von 150 Millionen EUR erreichte — der größte Fonds des Unternehmens in 25 Jahren — unterstützt von institutionellen Investoren wie Flexstone und dem Schweizer Pensionsfonds Stiftung Abendrot. Zusammengenommen stehen b2ventures 150 Millionen EUR und Constructor Capitals 110 Millionen US-Dollar für mehr als 270 Millionen US-Dollar an frischem Frühphasenkapital für Schweizer und europäische Deep-Tech-Gründer allein im Januar und Februar 2026.

Der breitere Schwung

Der Kontext ist entscheidend. Schweizer Start-Ups sammelten 2025 2,95 Milliarden CHF ein — ein Anstieg von fast 24 % gegenüber dem Vorjahr. Die Frühphasenfinanzierung erreichte mit 1,116 Milliarden CHF einen Rekordwert — ein Plus von 73 % gegenüber 2024. Der Swiss Venture Capital Report 2026, veröffentlicht am 5. Februar, erklärte die bisherige Finanzierungskrise des Landes offiziell für beendet.

Kopylkov empfiehlt Gründern, die Start-Up-Agenda nicht als politisches Dokument zu lesen, sondern als Marktsignal. Wenn ein Ökosystem sein Engagement zur Schließung einer strukturellen Lücke formalisiert und das erste institutionelle Kapital im selben Monat darauf reagiert, öffnet sich ein Zeitfenster für frühe Positionierungen.

Aus Investorensicht beurteilt Kopylkov die Investitionsreife eines Ökosystems anhand von drei konvergierenden Faktoren: Qualität der Forschungspipeline, Ausrichtung des institutionellen Kapitals und Erfolgsbilanz bei Exits. In der Schweiz bewegen sich nun alle drei Faktoren gleichzeitig in dieselbe Richtung – eine seltene Konstellation.

„Die Gründer, die in den nächsten drei Jahren hier aufbauen, werden etwas haben, das ihre Vorgänger nicht hatten“, sagt er. „Eine inländische Kapitalbasis, die endlich aufmerksam ist.”

Benjamin Simon

Benjamin Simon

Hi, ich bin Benjamin Simon, Herausgeber bei Investorbit.de und leidenschaftlicher Finanzjournalist. Ich verantworte die Redaktion und sorge dafür, dass unsere Leser täglich aktuelle Wirtschaftsnachrichten erhalten. Mit fundierter Recherche und einem Blick für wichtige Markttrends liefere ich relevante und verständliche Inhalte. Mein Ziel ist es, Investorbit.de zu einer verlässlichen Quelle für alle Finanzinteressierten zu machen.

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