Die Revolution der künstlichen Intelligenz im Finanzsektor

31/01/2025
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Die Revolution der kuenstlichen Intelligenz im Finanzsektor

Der alltagstaugliche Einsatz der künstlichen Intelligenz gehört zu den technologischen Innovationen, die vor wenigen Jahren noch vollkommen undenkbar waren. Und trotzdem hat sie sich in kürzester Zeit erfolgreich durchgesetzt, und das auf der ganzen Welt und in den unterschiedlichsten Ausführungen. Besonders bekannt ist sie in Chatbots, die das Internet durchsuchen und Informationen flüssig zusammenstellen oder Fragen beantworten. Doch tatsächlich kommt sie in mehr als nur dieser Anwendung zum Einsatz, unter anderem im Finanzsektor.

Die künstliche Intelligenz im Überblick

Wenn Maschinen das logische Denken, Lernen, Planen und die Kreativität von Menschen imitieren, demonstrieren sie damit ihre künstliche Intelligenz. Die Technologie befindet sich noch in ihren Kinderschuhen, kann aber schon Bemerkenswertes. Dazu gehört unter anderem, ihre Umwelt wahrzunehmen und auf sie zu reagieren, Probleme zu erkennen und sie zu lösen. Spannende Unterbereiche der künstlichen Intelligenz sind unter anderem

  • Maschinelles Lernen (ML), ein Zweig der Informatik in der Maschinen aufgrund von Algorithmen das Lernen der Menschen imitieren,
  • neuronale Netze, also Verbindungen, die wie das Gehirn funktionieren sollen und die Nervennetze nachahmen, um Phänomene zu erkennen,
  • Natural Language Processing (NLP), bei der Computer die Sprache der Menschen verstehen, analysieren und nachahmen, und
  • Deep Learning, bei dem Maschinen die komplexen Entscheidungsprozesse von Menschen nachahmen und die Erkenntnisse nutzen, um zum Beispiel weitere logische Schritte auszuwählen.

Die künstliche Intelligenz im Finanzwesen

Diese moderne Technologie, die sich ständig weiterentwickelt, wird bereits in den unterschiedlichsten Branchen eingesetzt. Dazu gehören das Gesundheitswesen und die Unterhaltungsbranche, der Einzelhandel und die Fertigungsindustrie. Aber auch im Finanzwesen hat die künstliche Intelligenz schon Fuß gefasst.

Sie bietet die Möglichkeit, Finanzprozesse zu automatisieren. Das ist insofern hilfreich, dass Handlungen, die genau so gut von Menschen ausgetragen werden könnten, durch den Einsatz von Maschinen beschleunigt werden können. Auf diese Art und Weise werden auch menschliche Fehler vermieden. Eine Maschine ist nämlich nicht abgelenkt oder unaufmerksam, denn sie wird nicht müde und tagträumt nicht. Selbst die besten Mitarbeiter eines Unternehmens können Fehler machen und das kostet Geld. Mit künstlicher Intelligenz werden Prozesse also schneller und sauberer und so verbessern sich sowohl die Effizienz als auch die Rentabilität.

Die Revolution der Finanzwelt

Bis 2030 soll die künstliche Intelligenz etwa 15.7 Billionen US Dollar zur Weltwirtschaft hinzufügen. Diese Zahl bezieht sich auf alle Bereiche, doch gerade in der Finanzwelt kann sie einen Unterschied machen. Daran glaubt auch der Großteil der Finanzinstitute, denn 77% von ihnen nutzt sie bereits jetzt oder führt zumindest Tests mit ihr durch.

Wer Aktien kauft, hat bestimmt schon bemerkt, dass die künstliche Intelligenz dabei helfen kann, die Marktdaten zu analysieren und automatisch zu handeln, wenn der Algorithmus einen bestimmten Kauf oder Verkauf vorschlägt. Abgesehen davon soll die künstliche Intelligenz auch auf Anomalien aufmerksam werden, ungewöhnliche Transaktionen verdächtigen und somit Betrügern auf die Schliche geraten.

Spannend ist auch, dass sogar der Beruf des traditionellen Beraters in der Finanzwelt in der Schwebe steht. Roboter können mit Hilfe der künstlichen Intelligenz als digitale Vermögensberater agieren und womöglich bessere Auskünfte geben als ihre menschlichen Kollegen.

Quantum AI als Zukunft im Finanzwesen

Ein weiterer interessanter technologischer Fortschritt ist in den letzten Jahren im Bereich des Quantencomputing geschehen. Diese Disziplin nutzt die Mathematik, Physik und Informatik um komplexe Probleme in irrer Geschwindigkeit zu lösen. In Verbindung mit der künstlichen Intelligenz ist das Quantencomputing quasi unschlagbar. Es kann blitzschnelle Berechnungen ausführen und die Quantenüberlagerung und -verschränkung zur Lösung unglaublich komplexer Probleme verwenden. Das sogenannte Quantum AI ist also die optimale Verschmelzung des Quantencomputing und der künstlichen Intelligenz und nutzt die Stärken beider Disziplinen um ein kraftvolles Tool zu erstellen.

Konkrete Tools im Finanzwesen

Doch wie kann diese Technik ganz konkret im Finanzwesen verwendet werden? Zum einen operiert die künstliche Intelligenz in Sekundenschnelle. Entscheidungen zu Anlagen, bei denen menschliche Berater und Experten viel Recherche betreiben und sorgfältig Trends untersuchen müssten, können innerhalb von Augenblicken und mit allem nötigen Hintergrundwissen getroffen werden.

Auch bei Fragen rund um das Risikomanagement kann die künstliche Intelligenz hilfreich sein. Unsicherheiten und Schwankungen auf dem Markt können erkannt werden, bevor sie überhaupt eintreten und in Tiefe analysiert werden. Auch die Bonität von Kreditstellern kann viel schneller überprüft werden, als es auf dem manuellen Weg möglich wäre.

Quantum Computing allein sollte dem Finanzsektor in den nächsten zehn Jahren einen Profit von bis zu 700 Milliarden US Dollar gewinnen. Die Innovation der künstlichen Intelligenz ist prognostiziert, noch größere Profite einzutreiben und wird aktuell von Goldman Sachs und IBM für den Handel entwickelt.

Der algorithmische Handel im Finanzsektor

Der bereits erwähnte algorithmische Handel wird auch Algo-Trading genannt und basiert auf den Analysen, die die künstliche Intelligenz im Bruchteil von Sekunden erstellen kann. Diese Analysen vereinfachen den Hochfrequenzhandel, oder kurz HFT, der bereits mehr als die Hälfte aller Trades auf dem amerikanischen Aktienmarkt ausmachen.

Die Firma BlackRock verwendet bereits ihr eigenes Tool zur Analyse von Investitionen. Ihr Programm Aladdin verwaltet ein Vermögen von 21 Billionen US Dollar. Auch der erfolgreiche Hedgefond Renaissance Technologies nutzt bereits die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz um den Markt zu analysieren und etwaige Ineffizienzen auszunutzen.

Betrug erkennen und Risiken bewerten

Firmen im Finanzsektor unterliegen ständig der Gefahr, dass sie betrogen werden. Deshalb kann die künstliche Intelligenz dafür genutzt werden, Echtzeit-Analysen von Transaktionen zu erstellen. Ein Mensch könnte nur eine begrenzte Anzahl an Daten verarbeiten und bräuchte dafür viel Zeit und Konzentration. Die künstliche Intelligenz hingegen kann Millionen an Transaktionen in kürzester Zeit untersuchen dabei fehlerfreie Resultate liefern. Was einem Menschen dabei womöglich durch die Lappen geht, erkennt eine Maschine schon bei der kleinsten Abweichung. Ungewöhnliche Muster tauchen also sofort auf und mögliche Betrugsversuche werden viel zuverlässiger aufgedeckt.

Das weltweit erfolgreiche Unternehmen Mastercard nutzt die künstliche Intelligenz bereits dazu, 20 Milliarden US Dollar pro Jahr an Betrugsschäden zu vermeiden. Weltweit könnten, Experten zufolge, bis 2027 aber jährlich sogar 10 Milliarden US Dollar eingespart werden.

Wie Banken mit der künstlichen Intelligenz Kredite vergeben

Während die vorherigen Punkte vor allem für große Finanzgiganten eine Rolle spielen, dient der nächste Punkt auch Privatpersonen. Bewirbt sich der Kunde einer Bank nämlich auf einen Kredit, können oft Tage und Wochen verstreichen, bevor die Bank den Kredit erteilt, auch, wenn der Kunde über gute Bonität verfügt. Das liegt daran, dass die Prüfung aufwendig ist und viel Zeit kostet.

Mit der Hilfe von künstlicher Intelligenz kann dieser Prozess dramatisch beschleunigt werden. Traditionelle Score-Methoden werden durch Bonitätsprüfungen ersetzt, die auf Big Data basieren. In diesem System können sogar Daten ausgewertet werden, die Social Media Aktivitäten entnommen werden. Die Bonitätsprüfungen sollen also sowohl schneller als auch zuverlässiger wirken als die traditionellen Varianten.

Mit Robo Beratern zu guten Entscheidungen

Besonders spannend, und für den ein oder anderen auch besonders beängstigend, ist die Möglichkeit, traditionell geschulte Finanzberater mit Robo Beratern zu ersetzen. Die künstliche Intelligenz kann die Finanzberatung völlig automatisieren und Kosten für Lohn und Gehälter einsparen. Die prognostizierten Ausgaben für einen solchen Robo Berater liegen be etwa 30% der Ausgaben, die Firmen mit menschlichen Mitarbeitern haben. 

Diese Zahlen klingen aus wirtschaftlicher Sicht erst einmal gut. Immerhin sollen bis 2030 etwa ein Drittel aller Finanzjobs durch Automatisierung und den Einsatz von künstlicher Intelligenz ersetzt werden. Dabei sollen vor allem Arbeitsplätze betroffen sein, in denen die Mitarbeiter vor allem buchhalterische Aufgaben erfüllen oder simple Systeme analysieren. Für viele Arbeitnehmer im Finanzsektor sind diese Zahlen unheimlich. Wenn sie aber schon früh auf diese Entwicklungen reagieren, sie ernst nehmen und sich selbst durch Schulungen weiterentwickeln, sind die diesen Veränderungen voraus.

Die künstliche Intelligenz soll nämlich auch neue Arbeitsplätze schaffen. Wer also seine Analysefähigkeiten weiterentwickelt, kann von der klassischen Finanzanalyse auf die Risikoanalyse umsteigen oder gar im Bereich der Entwicklung der künstlichen Intelligenz zum Einsatz kommen. So sollen weltweit etwa 97 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen werden, und das bis Ende 2025 allein.

Was an Herausforderungen auf den Finanzsektor zukommt

Natürlich werfen diese und andere Aspekte der künstlichen Intelligenz aber auch große ethische Fragen auf. Bei Bonitätsprüfungen, die auf Algorithmen und Social Media Einträgen basieren, kann es zum Beispiel vorkommen, dass ein Mensch zwar aufgrund der Daten richtig eingeschätzt, aber dennoch diskriminiert wird, denn Kreditentscheidungen haben traditionell auch immer etwas mit dem persönlichen Eindruck des Menschen zu tun.

Außerdem können Maschinen nur dann intelligent handeln, wenn ihnen immense Daten zur Verfügung stehen. Anders als ein Mensch, der schon seit Jahren in der Branche arbeitet und Stück für Stück Erfahrung sammeln konnte, steht ein Computer zum ersten mal vor den Inhalten und muss sie nun sofort verarbeiten. Das kostet zwar kaum Zeit, dafür aber Unmengen an Daten. Je besser die künstliche Intelligenz funktionieren soll, desto mehr Zugriff müssen die Finanzinstitute ihr geben, und das auch auf persönliche Finanzdaten.

Vielen Menschen ist die gesamte Entwicklung in diese Richtung von Grund auf ungeheuer. Der Schritt zwischen einer künstlichen Intelligenz, die kreativ denken und Probleme lösen, lernen und Herausforderungen meistern kann und einem Roboter, der Entscheidungen über Menschen trifft, scheint gering. Deshalb ist die Politik gefragt, die Finanzsysteme, die schon jetzt und in Zukunft von der künstlichen Intelligenz gesteuert werden, ausreichend zu regulieren. Wo aktuell noch große Unsicherheiten bestehen, braucht es einen offenen Diskurs zwischen der Wirtschaft und der Politik und ein gemeinsames Streben in Richtung einer zukunftsfähigen Welt. Auch Quantum AI kann in dieser Hinsicht einen elementaren Beitrag leisten.

Ein zukunftsfähiger technologischer Fortschritt

Es steht also fest: Die künstliche Intelligenz ist nicht mehr bloß eine wilde Idee einiger weniger Forscher oder das Thema von Spielfilmen. Stattdessen revolutioniert sie die Welt in einem rasanten Tempo, und das auch im Finanzsektor. Quantum AI zählt dabei zu den größten Hoffnungen der Entwickler, denn es soll die gesamte Technologie mit rasantem Tempo nach vorn bringen.

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Michael Drogies

Michael Drogies

Hallo, Michael Drogies hier! Ich bin Redakteur bei Investorbit.de. Ich recherchiere leidenschaftlich zu Themen rund um Menschen und ihre Geschichten. Es macht mich stolz und dankbar, Teil des großartigen Teams von Investorbit.de zu sein.

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