Das Weiße Haus hat kürzlich die Mitglieder des neuen „Gaza Executive Board“ bekanntgegeben, eines internationalen Ausschusses, der den Wiederaufbau und die Verwaltung des Gazastreifens nach dem Krieg koordinieren soll. Laut Medienberichten soll dieses Gremium aus Vertretern verschiedener Staaten bestehen, die in der Region eine diplomatische Rolle spielen.
In Jerusalem jedoch sorgt die Zusammensetzung des Gremiums für Unmut. Die israelische Regierung zeigte sich besonders irritiert darüber, dass unter den Mitgliedern auch der türkische Außenminister Hakan Fidan sowie ein Vertreter Katars seien – zwei Länder, die in den letzten Jahren als Unterstützer der Hamas angesehen wurden.
Sorge um Einfluss auf politische Entscheidungen
Nach Einschätzung israelischer Regierungsvertreter könnte die Beteiligung Ankaras und Dohas dazu führen, dass das Gremium Positionen vertritt, die Israels Sicherheitsinteressen gefährden. Israel betonte, man habe zwar die internationale Kooperation beim Wiederaufbau Gazas ausdrücklich begrüßt, wolle aber sicherstellen, dass keine Organisationen oder Staaten beteiligt sind, die „indirekt die Hamas legitimieren“ könnten.
Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums erklärte, man erwarte vom Weißen Haus „Klarheit über die genaue Rolle jedes Mitglieds“ und forderte eine engere Abstimmung mit den israelischen Behörden.
Hintergrund: Wiederaufbau und Konfliktlösung im Gazastreifen
Das „Gaza Executive Board“ ist Teil einer umfassenderen US-geführten Initiative zur Stabilisierung der Lage im Gazastreifen nach den jüngsten Kämpfen zwischen Israel und der Hamas. Washington möchte durch ein multilaterales Format sicherstellen, dass humanitäre Hilfe koordiniert und transparente Strukturen für die Verwaltung von Hilfsgeldern geschaffen werden.
Kritiker – darunter israelische Politiker und Analysten – sehen darin jedoch den Versuch, politische Einflusszonen in der Region neu zu ordnen. „Was als technische Hilfsstruktur präsentiert wird, hat klare geopolitische Konsequenzen“, kommentierte der israelische Journalist Barak Ravid in einem Beitrag für Axios.
Diplomatische Balance zwischen Verbündeten
Für die US-Regierung stellt die Zusammensetzung des Komitees einen Balanceakt dar. Ankara und Doha sind wichtige Vermittler im Nahostkonflikt, zugleich aber umstrittene Partner für Israel. Washington versuchte, die Spannungen zu entschärfen: In einer Stellungnahme betonte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, das Board solle „koordiniert mit Israel und internationalen Partnern“ arbeiten.
Ob diese Erklärung ausreicht, um die israelischen Bedenken zu zerstreuen, bleibt offen. Beobachter erwarten, dass das Thema in den kommenden Tagen auch in bilateralen Gesprächen zwischen Washington und Jerusalem zur Sprache kommen wird.
Quellen
Israel ist wegen Besetzung von Gaza-Gremium verärgert
Israel kritisiert Zusammensetzung von Gaza-Gremien deutlich – Milei und Erdogan rücken nach