In mehreren Regionen Afrikas verschärft sich die Sicherheitslage dramatisch. Besonders betroffen ist derzeit die Millionenstadt Gao im Norden Malis. Dort liefern sich regierungstreue Truppen, lokale Milizen und islamistische Gruppen einen erbitterten Kampf um die Kontrolle. Die Stadt, seit Jahren ein Brennpunkt der Gewalt, steht teilweise unter Belagerung durch Einheiten, die der Organisation „Islamischer Staat in der Sahelzone“ (ISGS) nahestehen.
Diese Gruppen kontrollieren zunehmend wichtige Versorgungsrouten, erzwingen Abgaben von der Bevölkerung und rekrutieren Jugendliche zwangsweise. Die Präsenz internationaler Truppen ist nach dem Abzug der UN-Friedensmission MINUSMA auf ein Minimum geschrumpft, was die prekäre Lage weiter verschärft.
Humanitäre Krise: Eingeschlossene Zivilbevölkerung
Laut Angaben des Welternährungsprogramms (WFP) leiden in Gao Tausende Menschen unter akutem Nahrungsmangel. Da Hauptstraßen blockiert und Lieferketten unterbrochen sind, haben Märkte ihre Vorräte weitgehend aufgebraucht. Wasser wird vielerorts rationiert, während Krankenhäuser kaum noch Medikamente erhalten.
Hilfsorganisationen warnen vor einer drohenden humanitären Katastrophe. „Die Stadt steht am Rande einer Hungersnot“, so ein Sprecher der Organisation Ärzte ohne Grenzen. Strom- und Kommunikationsnetze fallen regelmäßig aus, und viele Bewohner versuchen verzweifelt, in Richtung Süden zu fliehen – oft über extrem gefährliche Routen.
Politische Unsicherheit und regionale Folgen
Die Übergangsregierung in Bamako, die seit dem Militärputsch 2021 an der Macht ist, wirkt zunehmend überfordert. Ihre russischen Verbündeten, insbesondere Söldner der „Wagner“-Gruppe, konzentrieren sich auf strategische Gebiete im Zentrum des Landes, während der Norden in Gewalt und Chaos versinkt.
Die Nachbarstaaten Niger und Burkina Faso beobachten die Entwicklung mit Sorge, da die grenzüberschreitenden Angriffe zunehmen. Experten warnen, dass ein Zusammenbruch staatlicher Strukturen in dieser Region weitreichende Folgen für die gesamte Sahelzone hätte – von Migrationsbewegungen bis hin zu neuen Rückzugsräumen für terroristische Netzwerke.
Internationale Reaktionen und Perspektiven
Obwohl die Afrikanische Union und die Europäische Union wiederholt zu einer Rückkehr zum zivilen Übergang aufgerufen haben, bleiben nachhaltige politische Lösungen aus. Auch auf UN-Ebene ist das Engagement begrenzt, seit die Friedensmission aus Mali abgezogen wurde.
Quellen
Eine Millionenstadt im Würgegriff der Dschihadisten
Dschihadismus und Staatsversagen