Die EU-Kommission will laut neuen Berichten die Sicherheitsstandards in Europas Mobilfunknetzen deutlich erhöhen. Im Mittelpunkt stehen dabei die chinesischen Hersteller Huawei und ZTE, die künftig vollständig aus den europäischen Netzinfrastrukturen verbannt werden sollen. Ein entsprechender Beschluss soll die Mitgliedsstaaten anhalten, keine Komponenten dieser Firmen mehr im 5G- oder künftigen 6G-Ausbau zu verwenden.
Der Schritt soll die Abhängigkeit von außereuropäischen Zulieferern verringern und gleichzeitig die Cybersicherheit im Binnenmarkt stärken. Nach Angaben aus Brüssel bestehen „erhebliche Sicherheitsrisiken“, wenn kritische Kommunikationssysteme auf Technik aus China setzen.
Bisherige Teilnahme und politische Bedenken
Sowohl Huawei als auch ZTE sind bereits seit Jahren zentrale Anbieter bei der Errichtung europäischer Mobilfunknetze. Besonders im 4G-Bereich kam ein erheblicher Anteil der Hardware aus China. Trotz Warnungen mehrerer EU-Gremien hatten viele nationale Netzbetreiber Huawei-Komponenten weiterhin genutzt – unter anderem, weil sie kostengünstiger und technologisch ausgereift galten.
Diese Praxis soll nun enden. Brüssel verweist auf Erkenntnisse aus Sicherheitsanalysen, wonach chinesische Hersteller potenziell Zugang zu sensiblen Datenströmen erhalten könnten. Die USA und Großbritannien hatten daher bereits vor Jahren ähnliche Verbote umgesetzt.
Reaktionen aus den EU-Staaten
Die Reaktionen auf den Vorstoß sind gemischt. Während Länder wie Schweden und Dänemark bereits weitgehend auf europäische und US-amerikanische Hersteller umgestiegen sind, zeigen sich andere Staaten – darunter Deutschland und Spanien – bislang zurückhaltender.
Berlin prüft laut Bundesnetzagentur derzeit „technische und wirtschaftliche Folgen“ eines vollständigen Ausstiegs. Besonders der Austausch bestehender Komponenten könnte für Betreiber hohe Kosten im Milliardenbereich verursachen.
Huawei weist Vorwürfe zurück
Der chinesische Konzern Huawei wies die Anschuldigungen erneut zurück und sprach von einer „politisch motivierten Entscheidung“. Das Unternehmen betonte, man halte sich an alle europäischen Datenschutz- und Sicherheitsauflagen und habe nie Hintertüren in Systeme eingebaut. Auch ZTE beklagte eine „Diskriminierung auf Grundlage der Herkunft“ und kündigte an, diplomatische Kanäle zu prüfen.
Einschätzung und Ausblick
Experten sehen die Maßnahmen als Teil einer größeren Strategie zur technologischen Souveränität Europas. Neben den Mobilfunknetzen geht es auch um Chips, Cloud-Systeme und Energieinfrastrukturen. Die EU will künftig „strategische Abhängigkeiten“ reduzieren und Innovationen innerhalb des Kontinents fördern.
Ob die Entscheidung zu einem schnelleren Sicherheitsgewinn führt oder den 5G-Ausbau eher verlangsamt, bleibt jedoch umstritten. Fest steht: Die Digitalpolitik der EU steht vor einem entscheidenden Wendepunkt.
Quellen
Huawei und ZTE sollen raus aus dem Netz
EU-Kommission will chinesische Hersteller Huawei und ZTE aus Netzen verbannen