Nach Bombendrohungen gegen Schumer: Neue Feindesliste setzt missliebige Journalisten unter Druck

03/12/2025
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Der demokratische Senator Chuck Schumer meldete Bombendrohungen gegen drei seiner Büros in New York, betroffen sind Standorte in Rochester, Binghamton und auf Long Island. Die Drohungen kamen per E‑Mail von einem Konto, das im Betreff das Kürzel „MAGA“ („Make America Great Again“) verwendete und auf die angeblich „manipulierte“ Präsidentschaftswahl 2020 anspielte.

Lokale und Bundesbehörden leiteten Sicherheitsüberprüfungen in den betroffenen Büros ein und fanden nach bisherigen Angaben keinen Sprengsatz, verletzt wurde niemand. Schumer dankte den Sicherheitskräften und verurteilte die Drohungen als unzulässige Form politischer Gewalt, die in einer Demokratie keinen Platz habe.

Politisches Klima und Rolle von „MAGA“

Die Bezugnahme auf „MAGA“ in den Droh‑Mails verknüpft die Tat direkt mit dem Umfeld der Bewegung des Präsidenten Donald Trump, der weiter ohne Belege von einer „manipulierten“ Wahl 2020 spricht. Diese Narrative über angeblichen Wahlbetrug werden seit Jahren von Teilen der Republikaner gestützt und haben wiederholt zu Drohungen und Gewaltandrohungen gegen demokratische Politiker geführt.

Bereits zuvor waren demokratische Mandatsträger und Behördenvertreter Ziel von Bombendrohungen und sogenannten Swatting‑Einsätzen, bei denen falsche Notrufe einen massiven Polizeieinsatz auslösen sollen. Sicherheitsexperten warnen, dass sich ein Ökosystem aus Online‑Radikalisierung, Verschwörungserzählungen und personalisierter Feindbild‑Rhetorik etabliert hat, das solche Taten begünstigt.

Neue Web‑Liste missliebiger Journalisten

Parallel verteidigt das Weiße Haus eine neue Webseite, auf der Medienhäuser und einzelne Journalistinnen und Journalisten namentlich als angebliche Verbreiter von „Lügen“ und „Falschberichten“ angeprangert werden. Das Portal sammelt konkrete Beispiele von Beiträgen, die nach Darstellung der Regierung „voreingenommen“ oder „unpatriotisch“ seien, und versieht sie mit Kommentaren, die die Glaubwürdigkeit der Betroffenen öffentlich infrage stellen.

Medienverbände und Bürgerrechtsorganisationen kritisieren, eine solche Liste komme einer Feindesmarkierung gleich und erhöhe das Risiko von Einschüchterung, digitalen Kampagnen und sogar körperlichen Angriffen gegen namentlich genannte Reporterinnen und Reporter. Reporter ohne Grenzen und andere Organisationen verweisen darauf, dass bereits in der Vergangenheit Listen und Drohkampagnen gegen Journalistinnen und Journalisten zu realen Bedrohungen, Swatting‑Vorfällen und Gewaltakten geführt haben.

Wechselwirkung von Drohungen und Pranger‑Rhetorik

Die zeitliche Nähe von Bombendrohungen gegen einen prominenten Oppositionspolitiker und der scharfen Rhetorik gegen „Feindmedien“ im Umfeld des Weißen Hauses legt eine gefährliche Wechselwirkung nahe. Wenn führende Regierungsvertreter Medien und politische Gegner öffentlich delegitimieren, senkt dies nach Einschätzung von Extremismusforschern die Hemmschwelle für Sympathisanten, selbst zu Drohungen oder Gewalt zu greifen.

Zwar gibt es bislang keinen öffentlich belegten direkten Zusammenhang zwischen den konkreten Bombendrohungen gegen Schumers Büros und der neuen Journalistenliste, doch beide Phänomene entstehen in demselben aufgeheizten Klima aggressiver Polarisierung. Fachleute betonen, dass demokratische Institutionen nur dann stabil bleiben, wenn politische und mediale Gegner trotz harter Auseinandersetzungen nicht entmenschlicht oder zur legitimen Zielscheibe erklärt werden.

Reaktionen von Politik, Medien und Sicherheitsbehörden

Demokratische Politiker verurteilten die Bombendrohungen geschlossen und forderten eine deutliche Abkehr von jeglicher Gewalt‑Rhetorik, insbesondere aus dem Umfeld des Präsidenten. Gleichzeitig wächst der Druck auf Sicherheitsbehörden wie FBI, Secret Service und Capitol Police, Bedrohungen gegen Mandatsträger und Medien schneller zu erkennen und zu kommunizieren, nachdem frühere Fälle von Versäumnissen bekannt wurden.

Vertreter großer Medienhäuser und Journalistenverbände verlangen von der Regierung, die Pranger‑Webseite zurückzunehmen und stattdessen auf transparente Korrektur‑ und Beschwerdemechanismen zu setzen. Sie warnen, dass staatlich befeuerte Kampagnen gegen „missliebige“ Journalistinnen und Journalisten nicht nur individuelle Existenzen gefährden, sondern langfristig das Vertrauen in unabhängige Berichterstattung und damit in die demokratische Öffentlichkeit unterminieren.

​Quellen

Bombendrohungen gegen Schumer, Liste missliebiger Journalisten
Mehrere Bombendrohungen gegen Schumers Büros in New York eingegangen

Matthias Otto

Matthias Otto

Hallo, mein Name ist Matthias Otto und ich arbeite als Autor bei Investorbit.de. Dort schreibe ich regelmäßig über aktuelle Themen aus den Bereichen Wirtschaft, Finanzen und digitale Trends. Mein Ziel ist es, komplexe Zusammenhänge verständlich zu erklären und meinen Lesern fundierte Einblicke in die Welt der Investments zu bieten. Wenn ich nicht gerade recherchiere oder Artikel verfasse, beschäftige ich mich gerne mit neuen Entwicklungen im Online-Journalismus und digitalen Marketing.

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