In der rohstoffreichen, aber verarmten Provinz Belutschistan im Südwesten Pakistans sind bei einer Serie koordinierter Angriffe mindestens 125 Menschen getötet worden. Nach Angaben von Sicherheitskreisen ereigneten sich die Gefechte in mehreren Bezirken nahe der afghanischen und iranischen Grenze. Unter den Toten sind sowohl Zivilisten als auch Angehörige der Sicherheitskräfte.
Das pakistanische Militär startete nach den Angriffen eine groß angelegte Gegenoffensive, um die Kontrolle in den betroffenen Gebieten wiederzuerlangen. Augenzeugen zufolge kam es in den Städten Turbat und Gwadar zu schweren Explosionen und Schusswechseln.
Separatistische Gruppen fordern Unabhängigkeit
Belutschistan ist seit Jahrzehnten Schauplatz eines gewaltsamen Unabhängigkeitskonflikts. Mehrere Gruppen der Belutschistan Liberation Army (BLA) und anderer militanten Organisationen kämpfen für mehr Autonomie oder vollständige Unabhängigkeit von Pakistan. Sie werfen der Zentralregierung in Islamabad vor, die reichen Gas- und Mineralvorkommen der Region auszubeuten, ohne die lokale Bevölkerung daran zu beteiligen.
Laut Analysen westlicher Sicherheitsexperten versuchen die Rebellen, internationale Aufmerksamkeit auf ihren Kampf zu lenken, während Islamabad den Separatismus als durch äußere Kräfte unterstützt ansieht.
Wirtschaftliche Bedeutung und soziale Spannungen
Belutschistan ist geostrategisch von großer Bedeutung. Hier verläuft der China-Pakistan Economic Corridor (CPEC), ein zentrales Projekt der chinesischen „Neuen Seidenstraße“. Gleichzeitig zählt die Region zu den ärmsten Pakistans: mangelnde Infrastruktur, hohe Arbeitslosigkeit und geringe Bildungschancen prägen das Leben vieler Bewohner.
Menschenrechtsorganisationen berichten zudem von willkürlichen Verhaftungen und Verschwindenlassen mutmaßlicher Separatisten. Die Regierung weist diese Vorwürfe regelmäßig zurück und verweist auf militante Angriffe gegen Sicherheitskräfte.
Internationale Reaktionen und offene Fragen
Die Vereinten Nationen und mehrere Menschenrechtsgruppen äußerten sich besorgt über die Eskalation der Gewalt. Die pakistanische Regierung kündigte an, „mit aller Härte“ gegen die Verantwortlichen vorzugehen, gleichzeitig aber eine politische Lösung nicht auszuschließen.
Ob die jüngsten Angriffe einen Wendepunkt im Jahrzehnte alten Konflikt markieren, bleibt abzuwarten. Klar ist, dass Belutschistan weiterhin ein Brennpunkt innerpakistanischer Spannungen bleibt – mit weitreichenden Folgen für die Stabilität der gesamten Region.
Quellen
Mindestens 125 Tote bei Angriffen in Unruheprovinz Belutschistan
Pakistan gibt bekannt, dass nach Anschlägen in Belutschistan 92 Militante getötet wurden.