Die aktuelle Staffel von „Let’s Dance“ steuert auf ihr Finale zu – doch statt klarer Favoriten zeichnet sich ein ungewöhnlich offenes Rennen ab. Selbst ein erfahrener Beobachter wie Christian Polanc, der die Show über Jahre geprägt hat, musste seine Einschätzung grundlegend überdenken. Seine Analyse zeigt nicht nur, wer tänzerisch überzeugt, sondern offenbart auch strukturelle Schwächen des Formats.
Wenn Leistung nicht mehr ausreicht
Noch vor wenigen Tagen galt das Teilnehmerfeld als relativ berechenbar. Kandidaten wie Jan Kittmann oder Anna-Carina Woitschack wurden von vielen – auch von Polanc – als sichere Finalisten gehandelt. Doch das überraschende Aus von Kittmann macht deutlich: In „Let’s Dance“ entscheidet längst nicht mehr nur die Leistung auf dem Parkett.
Polanc spricht offen von einem psychologischen Effekt, der immer stärker ins Gewicht fällt. Kandidaten mit schwacher Jurybewertung profitieren oft von Mitleid oder Mobilisierungseffekten im Publikum. Gleichzeitig geraten solide Performer in eine gefährliche Grauzone: zu gut, um negativ aufzufallen, aber nicht spektakulär genug, um massenhaft Anrufe zu generieren.
Diese Dynamik verändert die Show fundamental. Sie verschiebt den Fokus von tänzerischer Entwicklung hin zur emotionalen Bindung zwischen Kandidat und Publikum.
Joel Mattli als Ausnahmeerscheinung
Inmitten dieser Unsicherheit sieht Christian Polanc derzeit nur einen klaren Finalkandidaten: Joel Mattli. Seine Einschätzung basiert nicht auf Sympathie, sondern auf einer seltenen Kombination aus Technik, Ausdruck und Lernkurve.
Besonders der Wiener Walzer des Sportlers wird von Polanc als Referenzleistung hervorgehoben. Entscheidend ist dabei weniger die Perfektion einzelner Schritte, sondern die Fähigkeit, Bewegung organisch wirken zu lassen – ein Punkt, an dem viele Prominente scheitern.
Noch bemerkenswerter: Im direkten Vergleich mit Profi-Tänzern fällt Mattli nicht ab. Genau das gilt in der Welt des Tanzes als inoffizieller Ritterschlag. Wer diese Grenze erreicht, ist kein klassischer „Promi-Kandidat“ mehr, sondern ein ernstzunehmender Performer.
Die Grenzen von Inszenierung und Show
Ein weiterer zentraler Kritikpunkt von Polanc betrifft die zunehmende Vermischung von Tanz und Showelementen. Am Beispiel von Anna-Carina Woitschack wird deutlich, wie schnell eine Performance ihre eigentliche Stilrichtung verlieren kann.
Ihre Rumba bezeichnet er als „unstimmig“ – ein Begriff, der im Tanz eine klare Bedeutung hat. Gemeint ist nicht nur fehlende Technik, sondern ein Bruch im Gesamtbild: Timing, Körpergefühl und Emotion greifen nicht ineinander. Noch deutlicher wird seine Kritik beim Trio-Tanz, der eher an eine Showeinlage erinnerte als an eine authentische Salsa.
Diese Entwicklung wirft eine grundlegende Frage auf: Wird „Let’s Dance“ zunehmend zur Entertainment-Show mit Tanzelementen – oder bleibt der Tanz im Mittelpunkt?
Der Einfluss starker Profis
Auch das Ausscheiden von Jan Kittmann liefert interessante Erkenntnisse. Polanc sieht hier ein klassisches Problem: den direkten Vergleich mit überlegenen Tänzern.
Im Trio-Tanz mit Vadim Garbuzov wurden Kittmanns Schwächen sichtbar, die zuvor weniger ins Gewicht fielen. Haltung, Stabilität und Ausdruck wirkten im Vergleich deutlich schwächer. Genau solche Momente entscheiden oft über das Weiterkommen – nicht isolierte Leistungen, sondern der Kontrast.
Das zeigt, wie stark die Dynamik innerhalb einer Performance das Gesamtbild beeinflussen kann. Kandidaten müssen nicht nur gut tanzen, sondern auch neben starken Partnern bestehen.
Publikumslieblinge vs. Technik
Ross Antony und Sänger Milano stehen exemplarisch für zwei unterschiedliche Entwicklungen. Antony überzeugt durch Disziplin und Ernsthaftigkeit, überrascht mit einer neuen, ungewohnten Seite. Dennoch fehlt ihm laut Polanc die stilistische Tiefe.
Milano hingegen zeigt großes Potenzial – insbesondere in freien, emotionalen Tanzformen wie Contemporary. Doch sobald Struktur gefragt ist, fällt seine Leistung deutlich ab. Für das Finale könnte genau das zum Problem werden.
Hier zeigt sich ein zentrales Spannungsfeld der Show: Soll ein Gewinner vielseitig sein oder in einzelnen Bereichen glänzen? Die Antwort darauf variiert oft je nach Publikumstrend.
Christian Polanc als kritische Instanz
Interessant ist auch die Rolle von Christian Polanc selbst. Obwohl er nicht mehr aktiv bei „Let’s Dance“ tanzt – viele suchen online nach „warum Christian Polanc nicht bei Let’s Dance“ – bleibt er eine der einflussreichsten Stimmen rund um die Show.
Seine Analysen auf Social Media und YouTube erreichen ein breites Publikum und prägen die Wahrnehmung der Kandidaten. Gleichzeitig zeigt sich, wie groß das Interesse an seiner Person weiterhin ist. Suchanfragen wie „Christian Polanc Freundin“, „Christian Polanc schwul“ oder sogar „Christian Polanc Krankheit“ und „Christian Polanc Todesursache“ verdeutlichen, wie stark Persönlichkeiten der Show über das Format hinaus wirken.
Diese Entwicklung ist typisch für moderne TV-Formate: Experten werden selbst zu Marken.
Was das für das Finale bedeutet
Die aktuelle Staffel steuert auf ein Finale zu, das weniger vorhersehbar ist als je zuvor. Während Joel Mattli als klarer Favorit gilt, bleibt dahinter alles offen.
Entscheidend wird sein, wer es schafft, sowohl technisch zu überzeugen als auch emotional zu mobilisieren. Denn genau in dieser Schnittstelle entscheidet sich heute der Erfolg bei „Let’s Dance“.
Langfristig könnte die Show jedoch vor einer strategischen Herausforderung stehen. Wenn Zuschauerverhalten zunehmend die Jurywertung aushebelt, stellt sich die Frage nach der Balance zwischen Fachurteil und Publikumsmacht.
Christian Polancs Analyse ist daher mehr als nur eine Momentaufnahme. Sie ist ein Hinweis darauf, dass sich das Format im Wandel befindet – und dass die eigentlichen Entscheidungen längst nicht mehr nur auf dem Tanzparkett fallen.
Quellen
Christian Polanc klärt auf, was hinter seinem „Let’s Dance“-Aus steckt
Kein Corona! Christian Polanc verrät, warum er bei „Let’s Dance“ fehlte


