Kurz nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis wurde der venezolanische Oppositionspolitiker Juan Pablo Guanipa in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2026 in der Wohnsiedlung Los Chorros in Caracas von etwa zehn schwer bewaffneten, zivil gekleideten Männern verschleppt. Die Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado berichtete auf X (ehemals Twitter), dass die Entführer in vier Fahrzeugen vorfuhren und Guanipa gewaltsam mitnahmen. Die Opposition fordert umgehend seine Freilassung und verurteilt den Vorfall als weiteren Beweis für die Unterdrückung durch das Regime.
Hintergrund der Entlassung und politische Krise
Guanipa, 61 Jahre alt, saß über acht Monate in Haft und wurde erst kürzlich im Rahmen einer angekündigten Massenamnestie freigelassen, die politische Gefangene betreffen sollte. Die Amnestie, angeordnet von Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez unter Druck der USA, umfasst den Zeitraum von 1999 bis heute und soll am 10. Februar 2026 in Kraft treten. Dennoch sitzen nach Angaben der NGO Foro Penal über 700 politische Häftlinge weiterhin in venezolanischen Gefängnissen.
Direkt nach seiner Freilassung forderte Guanipa in einem AFP-Interview die Anerkennung des umstrittenen Wahlsiegs der Opposition bei der Präsidentschaftswahl 2024. Die Opposition um Edmundo González Urrutia sieht sich als Sieger, während Nicolás Maduro offiziell triumphierte – was zu Protesten mit 28 Toten und über 2.400 Festnahmen führte. Maduro selbst wurde gefasst, nach New York gebracht und sitzt dort wegen Drogenterrorismus in Haft.
Konsequenzen und internationale Reaktionen
Dieser Vorfall unterstreicht das Chaos in Venezuela nach Maduros Sturz und Rodríguez’ Übernahme. Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Schein-Gesten der Regierung, die Freilassungen mit neuer Repression paaren. Internationale Beobachter fordern eine Untersuchung und betonen die systematische Unterdrückung von Regime-Kritikern.
Die Verschleppung Guanipas könnte zu neuen Protesten führen und die fragile Übergangsphase weiter destabilisieren.
Quellen
Freigelassener Regime-Gegner verschleppt
Über 80 politische Häftlinge unter Auflagen freigelassen

