Berlin steht aktuell vor einem beunruhigenden Trend: Kriminelle Organisationen engagieren Täter aus dem Ausland, die gezielt für Drohungen, Körperverletzungen oder Schutzgelderpressungen in die Hauptstadt eingeflogen werden. Nach ihrer Tat verschwinden sie wieder – oft noch bevor die Ermittler ihre Identität klären können.
Nach Informationen aus Ermittlerkreisen spricht man von einer „neuen Stufe der Internationalisierung der Gewaltkriminalität“. Diese Vorgehensweise erschwert die Arbeit der Polizei erheblich, da es kaum Hinweise auf die tatsächlichen Auftraggeber gibt.
Eingeflogen, zuschlagen, abhauen
Die Täter reisen meist mit Linienflügen oder Chartermaschinen an – häufig aus Südosteuropa oder Nahoststaaten. Ziel ist es, gezielte Einschüchterungsaktionen durchzuführen, etwa im Umfeld von Immobiliengeschäften, Nachtclub-Szenen oder bei offenen Schuldenkonflikten.
Nach der Tat verlassen die Täter Deutschland innerhalb weniger Stunden wieder. Laut Ermittlern sind sie meist nur für kurze Zeit in der EU registriert oder reisen mit gefälschten Papieren ein.
Ermittler und Politik unter Druck
Die Berliner Polizei und das Landeskriminalamt (LKA) stehen angesichts dieser Entwicklung vor großen Herausforderungen. Es fehlt häufig an internationaler Kooperation oder rechtlichen Möglichkeiten, um bei Auslandsermittlungen zügig voranzukommen.
Ein Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert deshalb eine bessere Vernetzung zwischen Europol, Frontex und den nationalen Strafverfolgungsbehörden. Auch auf politischer Ebene wird diskutiert, ob schärfere Visa- und Aufenthaltsprüfungen notwendig sind, um diesen Entwicklungen zu begegnen.
Experten warnen vor wachsender Parallelwelt
Kriminologen sehen in dem Phänomen ein wachsendes Problem der transnationalen Organisierten Kriminalität (OK). „Wir beobachten ein zunehmendes Outsourcing von Gewaltakten“, so ein Experte der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. „Die Auftraggeber bleiben anonym, während die Täter kurzzeitig aus dem Ausland agieren und dann unauffällig verschwinden.“
Solche Strukturen seien insbesondere im Bereich Schutzgelderpressung und im Nachtleben bekannt. Auch rivalisierende Gruppen innerhalb migrantischer Communities sollen bereits auf diese Taktik zurückgreifen.
Forderung nach internationaler Zusammenarbeit
Um dem Phänomen langfristig zu begegnen, plädieren Fachleute für stärkere europäische und internationale Kooperation. Nur durch Datenaustausch, biometrische Erfassung und konsequente Strafverfolgung könne diese „Reisende Kriminalität“ eingedämmt werden.
Quellen
Täter werden eingeflogen, schießen und sind wieder weg
Berliner Banden lassen Täter aus dem Ausland einfliegen


