Christian Lüth, der langjährige Sprecher der Alternative für Deutschland (AfD), sorgte im Jahr 2020 für eine landesweite Empörung. In einem heimlich aufgezeichneten Gespräch wurde er mit Aussagen über die Möglichkeit des Erschießens oder Vergasens von Migranten zitiert. Seine Äußerungen führten damals zu seiner fristlosen Entlassung und zu einer klaren Abgrenzung der Parteiführung.
Nun, über fünf Jahre später, sorgt Lüth erneut für Schlagzeilen. Nach Recherchen von ARD, Spiegel und taz arbeitet er inzwischen wieder für mehrere AfD-Abgeordnete im Bundestag – offiziell als freier Mitarbeiter und Berater.
Skandal, Entlassung und Rückkehr
Lüth galt lange Zeit als zentrale Figur hinter der Öffentlichkeitsarbeit der AfD. Seine Entlassung erfolgte 2020 unmittelbar nach der Veröffentlichung der Gesprächsmitschnitte durch das Medienprojekt ProSieben Investigativ in der Dokumentation Rechts. Deutsch. Radikal..
Damals erklärte die AfD-Fraktion, dass Lüth „untragbar“ geworden sei. Die Aufregung über seine menschenverachtenden Aussagen schien sein berufliches Ende zu bedeuten. Umso überraschender ist nun seine Rückkehr in politische Kreise, die ihn einst fallen ließen.
Wie ist eine Rückkehr möglich?
Laut internen Bundestagsunterlagen arbeitet Lüth nicht mehr direkt für die AfD-Fraktion, sondern als externer Berater mehrerer Abgeordneter. Damit unterliegt er keiner formellen Anstellung über die Bundestagsverwaltung, sondern erhält seine Aufträge über Abgeordnetenbudgets.
Diese Praxis ist rechtlich zulässig, da Abgeordnete ihre Mitarbeiter frei wählen dürfen. Politisch wirft sie jedoch Fragen auf: Wie glaubwürdig ist eine Partei, die nach außen Distanz zu extremistischen Tendenzen betont, intern aber umstrittene Figuren wieder integriert?
Kritik aus Politik und Zivilgesellschaft
Aus anderen Parteien kamen scharfe Reaktionen. Vertreter von SPD, Grünen und FDP kritisierten die AfD für ihren Umgang mit der Causa Lüth. Sie sprechen von „mangelnder Verantwortung“ und „gezielter Provokation“.
Auch zivilgesellschaftliche Organisationen äußern Bedenken. Der Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung warnte, dass die Normalisierung von Personen mit extremistischer Vergangenheit gefährliche Signale sende: „Wenn solche Menschen wieder politische Macht ausüben, verwischen sich die Grenzen zwischen demokratischer Opposition und Hetze.“
Bedeutung und Folgen
Die Rückkehr Lüths wirft ein Schlaglicht auf den innerparteilichen Kurs der AfD, die laut Umfragen in mehreren ostdeutschen Bundesländern weiterhin stark ist. Beobachter sehen darin ein Zeichen, dass radikale Kräfte zunehmend den Ton angeben.
Wie nachhaltig Lüths Comeback sein wird, ist unklar. Doch der Fall zeigt, wie sehr extremistische Denkweisen – trotz öffentlicher Empörung – im politischen Betrieb überleben können.
Quellen
Nach Skandal gefeuert – und zurück im Bundestag
Gefeuerter Ex-AfD-Sprecher wieder im Bundestag

