Martin Sellner gilt als zentraler Kopf der sogenannten „Identitären Bewegung“ (IB), die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft wird. Der Österreicher prägte den Begriff der „Remigration“, der eine Rückführung von Migranten beschreibt und zunehmend auch im politischen Diskurs der AfD auftaucht – vor allem im rechtsnationalen Flügel der Partei.
Einladung sorgt für parteiinternen Streit
Zwei AfD-Politiker hatten Sellner Berichten zufolge zu einem parteinahen Austausch eingeladen. Das Treffen sollte Gelegenheit zu Gesprächen über migrationspolitische Positionen bieten. Doch die Einladung löste prompt Empörung in der Parteispitze aus. Sowohl die beiden Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla als auch mehrere Landesverbände distanzierten sich öffentlich von dem Vorhaben.
Nach massiver Kritik wurde das geplante Treffen schließlich abgesagt. Dennoch bleibt die Diskussion innerhalb der AfD lebendig – vor allem über die Frage, wie weit die Partei im Umgang mit rechtsextremen Aktivisten gehen darf, ohne ihre bürgerliche Fassade zu gefährden.
Reaktionen aus der Partei
Innerhalb der AfD zeigen sich deutlich unterschiedliche Strömungen:
- Der gemäßigte Parteiflügel warnt davor, durch Kontakte zu Personen aus der extremen Rechten das öffentliche Image weiter zu beschädigen.
- Vertreter des rechtsnationalen Lagers hingegen argumentieren, man müsse mit allen „patriotischen Kräften“ im Gespräch bleiben.
Insbesondere im Umfeld des „Flügels“ und in den ostdeutschen Landesverbänden findet Sellner nach wie vor Anhänger, die seine migrationspolitischen Ansichten teilen.
Bedeutung für den Kurs der AfD
Experten sehen in dem Vorfall ein Symptom des strategischen Machtkampfs innerhalb der AfD. Während die Parteispitze versucht, die Partei im Hinblick auf mögliche Koalitionsoptionen gemäßigter zu positionieren, drängen Teile der Basis auf eine härtere, ideologisch geschärfte Linie.
Die Kontroverse fällt zudem in eine Phase intensiver öffentlicher Beobachtung: Nach Enthüllungen über mutmaßliche „Remigrations“-Pläne bei vertraulichen Treffen ist die AfD verstärkt unter Druck geraten, sich von extremistischen Strukturen zu distanzieren.
Quellen
Wie die AfD über den Umgang mit Sellner diskutiert
Das Problem der AfD: Wo „Remigration“ draufsteht, ist meist Sellner drin


