Nach aktuellen Zahlen der Deutschen Bahn (DB) werden im Durchschnitt fünf Mitarbeitende pro Tag körperlich attackiert. Die Übergriffe reichen von Beschimpfungen und Androhungen bis hin zu handfesten Attacken, die häufig Polizei- oder Rettungseinsätze nach sich ziehen. Besonders betroffen sind Zugbegleiterinnen, Sicherheitskräfte und Servicepersonal, die täglich im direkten Kontakt mit Fahrgästen stehen.
Ursachen: Frust, Aggression und gesellschaftlicher Druck
Sicherheitsforscher und Gewerkschaften nennen mehrere Gründe für diese Entwicklung. Zum einen habe sich das gesellschaftliche Klima verschärft – viele Menschen reagieren gereizter, vor allem bei Verspätungen oder Fahrkartenkontrollen. Zum anderen habe die Corona-Pandemie laut Bahngewerkschaft EVG zu einer „grundlegenden Verrohung im Umgangston“ beigetragen.
Reaktionen der Deutschen Bahn
Die Deutsche Bahn reagiert mit Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit, darunter:
- Verstärkte Präsenz der DB-Sicherheit und Bundespolizei in Zügen und Bahnhöfen.
- Ausbau des Kameraüberwachungsnetzes an stark frequentierten Bahnhöfen.
- Schulungen für Mitarbeitende im Bereich Deeskalation und Selbstschutz.
- Testlauf von Bodycams, um Beweismaterial bei Angriffen zu sichern.
Laut einem DB-Sprecher investiert das Unternehmen jährlich einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in die Sicherheitsinfrastruktur.
Gewerkschaften fordern härtere Strafen
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sowie die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) fordern verschärfte Strafen für Angriffe auf Mitarbeitende im öffentlichen Dienst. EVG-Vorsitzende Cosima Ingenschay betont: „Wer Bahnangestellte attackiert, greift die Sicherheit im öffentlichen Raum an. Das darf kein Kavaliersdelikt sein.“
Gesellschaftliches Problem mit politischer Dimension
Sozialwissenschaftlerinnen sehen in der Zunahme von Gewalt gegen Beschäftigte im Nahverkehr ein Symptom gesellschaftlicher Spannungen. Es handelt sich nicht nur um ein Bahn-Problem, sondern um ein Phänomen, das auch Polizei, Krankenhäuser und kommunale Einrichtungen betrifft. Studien zeigen, dass insbesondere jüngere Täter, häufig unter Alkoholeinfluss, zu impulsiven Handlungen neigen.
Quellen
Alarmierende Zahlen: Täglich Angriffe auf Bahn-Personal
Gewalt in Zügen nimmt zu – Bahn-Beschäftigte im Visier

