Die Deutsche Bahn steht seit Jahren unter Druck: marode Strecken, veraltete Signaltechnik und eine chronisch schlechte Pünktlichkeitsquote im Fernverkehr. 2025 gipfelte die Kritik in politischen und gesellschaftlichen Forderungen nach einem radikalen Umbau. Ab 2026 soll deshalb das „Jahr des Neuaufbaus“ beginnen – mit einem Milliardenprogramm für Infrastruktur, Digitalisierung und Effizienzsteigerung.
Generalsanierung der Hauptkorridore
Kern der Reform ist die Generalsanierung hochbelasteter Strecken. Ab dem kommenden Jahr werden mehrere zentrale Bahnachsen – darunter der Korridor Hamburg–Berlin, Köln–Frankfurt und München–Nürnberg – vollständig instand gesetzt. Ziel ist, nach Schweizer Vorbild ganze Streckenabschnitte für einige Monate zu sperren, um sie danach auf modernstem Stand wieder zu eröffnen. Dadurch sollen künftige Baustellen auf denselben Abschnitten für Jahre entfallen.
Digitalisierung für mehr Pünktlichkeit
Ein weiterer Fokus liegt auf der Digitalisierung des Netzes. Neue digitale Stellwerke (DSTW) und das europäische Zugsteuerungssystem ETCS werden schrittweise eingeführt. Sie sollen den Zugverkehr automatisieren, Engpässe verringern und Verspätungen minimieren. Bis 2035 sollen laut Bahn und Verkehrsministerium über 80 Prozent des Netzes digital gesteuert werden.
Mehr Finanzierung und Transparenz
Zur Finanzierung des Umbaus planen Bund und Bahn eine Reform der Unternehmensstruktur. Das Schienennetz soll in die neue „Infrastruktursparte InfraGO“ integriert werden, die gemeinwohlorientiert arbeitet. Dadurch sollen Einnahmen transparenter und Investitionen gezielter eingesetzt werden. Insgesamt sind für den Zeitraum bis 2030 Investitionen von mehr als 40 Milliarden Euro vorgesehen.
Auswirkungen auf Reisende
Während der Umbauphase werden allerdings zahlreiche Strecken gesperrt und Ersatzverkehre eingerichtet. Fahrgäste müssen 2026 mit mehr Umleitungen, längerer Fahrzeit und eingeschränktem Fernverkehr rechnen. Die Bahn kündigte an, die Bauarbeiten frühzeitig zu kommunizieren und digitale Tools für Echtzeitinformationen zu verbessern.
Quellen
Deutschlands Schienennetz vor dem Neustart
Mehr Pünktlichkeit, weniger Chaos: Was die Bahn 2026 plant


