Für die Vereinten Nationen (UN) endet ein Jahr voller Herausforderungen. Internationale Krisen, Kriege und politische Blockaden haben das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Institution belastet. Im ARD-Jahresinterview zieht die Präsidentin der UN-Generalversammlung, Annalena Baerbock, eine ernüchternde Bilanz: Sie spricht von „Tausenden Nadelstichen“, die das Fundament der Organisation schwächten. Diese „kleinen, aber ständigen Angriffe auf Regeln und Strukturen“ gefährden laut Baerbock die Stabilität des multilateralen Systems.
Warnung vor einem „leisen Zusammenfall“
Baerbock warnt vor einem „leisen Zusammenfall“ der UN-Strukturen – einem schleichenden Prozess, bei dem Vertrauen, Kooperation und Kompromissbereitschaft schrittweise verloren gehen. Besonders besorgniserregend sei die Blockade im Sicherheitsrat, die weltpolitische Entscheidungen lähmt. Sie betonte, dass ohne erneuertes Vertrauen und gemeinsame Verantwortung der Mitgliedsstaaten selbst die größten internationalen Organisationen an Wirkung verlieren könnten.
Lichtblicke im globalen Miteinander
Trotz der pessimistischen Töne hob Baerbock auch positive Entwicklungen hervor. In Bereichen wie humanitärer Hilfe, Klimaschutzinitiativen und globaler Gesundheitskooperation zeigte sich die Stärke des multilateralen Prinzips. Besonders die enge Zusammenarbeit mit afrikanischen und südamerikanischen Staaten sei ein Signal, „dass die Weltgemeinschaft noch immer lernfähig und solidarisch ist“, so Baerbock.
Appell zu Reform und Zusammenhalt
„Wir brauchen eine Reform der Vereinten Nationen, die den Realitäten des 21. Jahrhunderts gerecht wird“, forderte Baerbock. Dazu gehöre eine stärkere Repräsentation globaler Süden-Staaten im Sicherheitsrat sowie eine effizientere Abstimmung zwischen den UNO-Organen. Der Zusammenhalt dürfe nicht weiter erodieren, denn die UN bleibe laut Baerbock „das einzige Forum, in dem fast alle Staaten dieser Welt an einem Tisch sitzen.“
Ausblick: Die Zukunft der UN im Jahr 2026
Mit Blick auf das kommende Jahr sieht Baerbock sowohl Risiken als auch Chancen. Ob die UN erneut zu einem Symbol internationaler Kooperation werde, hänge laut ihr davon ab, ob die Mitgliedsstaaten „nicht nur reden, sondern auch handeln“. Das Jahr 2026 könnte damit zu einem entscheidenden Prüfstein für die Zukunft der Vereinten Nationen werden.
Quellen
Baerbock warnt vor schleichendem Verfall der UN
Kritik von Baerbock: Vereinte Nationen drohen an Vertrauen zu verlieren