Pál Dárdai und Hertha BSC – das galt über Jahrzehnte als untrennbare Einheit. Seit seinem ersten Wechsel nach Berlin 1997 prägte der gebürtige Ungar den Hauptstadtklub wie kaum ein anderer. Zuerst als Spieler, dann als Jugendcoach, später mehrfach als Cheftrainer der Profimannschaft – immer dann, wenn Hertha in sportlicher Not steckte, war Dárdai zur Stelle. Jetzt ist Schluss: Der 49-Jährige verlässt den Verein nach wiederholtem Engagement und will „endlich Abstand gewinnen“, hieß es zuletzt laut Tagesspiegel und Kicker.
Zwischen Wiederaufbau und Frust
Dárdais Beziehung zu Hertha war von Loyalität, aber auch von Belastung geprägt. Nach dem Abstieg 2023 übernahm er erneut die Verantwortung, führte die Mannschaft in der 2. Liga zu Stabilität, ohne jedoch den direkten Wiederaufstieg zu schaffen. In Interviews sprach er offen über seine Erschöpfung und die Schwierigkeit, junge Spieler zu formen, während finanzielle Probleme den Verein weiter einschränkten. In sozialen Medien reagierten Fans gespalten: Während viele ihm Dankbarkeit zollten, forderten andere einen „Neuanfang ohne Rückgriffe auf Altbewährtes“.
Der Klub vor neuer Identitätssuche
Für Hertha BSC bedeutet der Abgang weit mehr als nur den Verlust eines Trainers. Dárdai war Identifikationsfigur und Bindeglied zwischen Fans und Vereinsführung. Nun steht der Traditionsverein vor der Frage, wie er sportlich und kulturell weiter bestehen will. Nach außen gibt sich das Management um Sportdirektor Benjamin Weber betont ruhig, sucht aber offenbar laut Berliner Morgenpost nach einem „moderneren Ansatz“ in der Spielphilosophie.
Dárdais Vermächtnis
Trotz des turbulenten Endes bleibt Pál Dárdais Beitrag unvergessen. Mit über 370 Pflichtspielen als Spieler und mehreren Trainerstationen hat er Hertha geprägt wie kaum ein anderer. In Fußball-Foren wird er bereits als „der letzte Romantiker des Vereinsfußballs“ bezeichnet – jemand, der nie die Bodenhaftung verlor. Auch nach seinem Abschied will er in Berlin wohnen bleiben – „nur erst einmal nicht jeden Tag auf dem Trainingsplatz stehen“.
Quellen
Abschied nach Jahrzehnten: Pál Dárdai verlässt Hertha BSC endgültig
Ende einer Berliner Fußball-Ära: Dárdai sagt Hertha Lebewohl


