Nach wochenlangen diplomatischen Gesprächen benötigt die Ukraine offenbar mehr Zeit, um den Entwurf eines von den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen Friedensplans zu bewerten. Mehrere Regierungsvertreter in Kiew betonten, dass der Vorschlag „eingehend geprüft“ und an die aktuellen sicherheitspolitischen Realitäten angepasst werde, bevor eine offizielle Antwort an Washington übermittelt wird.
Laut Medienberichten beinhaltet der US-Plan Vorschläge zu einem schrittweisen Waffenstillstand, möglichen Sicherheitsgarantien im Rahmen der NATO und Perspektiven für einen Wiederaufbauprozess in der Ostukraine. Die ukrainische Regierung betont jedoch, dass zentrale Fragen – vor allem territoriale Integrität und Sicherheitsgarantien – weiterhin offen seien.
Washington erhöht diplomatischen Druck
In den USA wächst der Druck auf die Regierung von Präsident Joe Biden, erkennbare Fortschritte in den Friedensgesprächen zu erzielen. Mehrere US-Senatoren fordern, die Initiative nicht zu verzögern, da die innenpolitische Unterstützung für weitere Finanzhilfen an Kiew schwindet.
Ein Sprecher des US-Außenministeriums erklärte, Washington habe Verständnis für die komplexe Lage, dränge aber darauf, „dass alle Seiten konstruktiv und zeitnah auf eine Lösung hinarbeiten“. Beobachter sehen darin ein Signal, dass die USA den diplomatischen Prozess beschleunigen wollen, um Ergebnisse vor Beginn des US-Wahljahres 2026 vorzuweisen.
Kiew pocht auf souveräne Entscheidungen
Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte mehrfach, dass keine Friedensvereinbarung ohne Zustimmung der ukrainischen Bevölkerung in Kraft treten könne. Zudem stehe die „territoriale Unversehrtheit“ des Landes nicht zur Verhandlung. Regierungsnahe Quellen in Kiew berichteten, dass ukrainische Experten derzeit an Gegenvorschlägen arbeiten, die insbesondere Sicherheitsgarantien und eine verbindliche Rückzugsregelung russischer Truppen beinhalten sollen.
Europäische Partner unterstützen Besonnenheit
Die Europäische Union und Deutschland äußerten Verständnis für das ukrainische Vorgehen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts erklärte, man respektiere, „dass Kiew gründlich prüft und souverän entscheidet“. Auch in Brüssel heißt es, ein „überhastetes Abkommen“ könne langfristig mehr Risiken als Stabilität bringen.
Quellen
Ukraine benötigt noch Zeit für Überarbeitung des US-Friedensplans
Selenskyj lehnt Gebietsabtretungen weiter klar ab