Der Bundestag hat am 5. Dezember 2025 ein neues Wehrdienst-Modernisierungsgesetz verabschiedet, das ab Januar 2026 eine verpflichtende Musterung für junge Männer ab dem Geburtsjahr 2008 vorsieht. Frauen können sich freiwillig melden, während der eigentliche Dienst zunächst freiwillig bleibt, mit der Option einer späteren Pflicht bei unzureichender Bewerberzahl. Der erste Schritt erfolgt durch Fragebögen zu persönlichen Daten, Gesundheit und Bereitschaft, die ab Mitte Januar versendet werden.
Jugendproteste gegen die Reform
Bundesweit demonstrierten Tausende Schüler und Jugendliche in über 90 Städten gegen das Gesetz, darunter in Berlin, München und Hamburg, wo bis zu 5.000 Teilnehmer erwartet wurden. Unter dem Motto „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ kritisierten sie die Musterung als Eingriff in die Privatsphäre und Selbstbestimmung sowie eine mögliche Zwangsrekrutierung. Verteidigungsminister Boris Pistorius begrüßte die Meinungsäußerung, betonte aber die Notwendigkeit, Freiheit zu schützen.
Politische Positionen und Kontroversen
Die schwarz-rote Koalition aus CDU/CSU und SPD feierte den Kompromiss als Schritt zur Wehrfähigkeit angesichts der Sicherheitslage, während Linke, BSW und Teile der AfD scharfe Kritik üben. Die AfD ist intern gespalten, mit Forderungen nach voller Wehrpflicht im Programm, aber Ablehnung durch Landespolitiker. Umfragen zeigen eine gespaltene Öffentlichkeit, wobei 80 Prozent der Linken-Wähler gegen jede Form der Pflicht sind.
Ausblick und gesellschaftliche Spaltung
Das Gesetz wartet noch auf die Zustimmung des Bundesrats und zielt auf 260.000 Soldaten bis 2035 ab, mit Anreizen wie höheren Gehältern. Die Debatte verstärkt die Polarisierung, da Befürworter Stärke gegen Bedrohungen wie Russland sehen, während Gegner eine Rückkehr zu militaristischen Strukturen fürchten. Experten diskutieren, ob ein soziales Pflichtjahr Alternativen bieten könnte.
Quellen
Neues Wehrdienstgesetz polarisiert die Gesellschaft
Was sieht das neue Wehrdienstgesetz vor?