Nach Tagen der Ungewissheit herrscht nun traurige Gewissheit: Die beiden seit dem Wochenende vermissten deutschen Bergsteiger sind tot gefunden worden. Wie die italienische Bergwacht mitteilte, handelt es sich bei den Opfern um einen Vater und seine 17-jährige Tochter. Sie waren am Samstag im Ortlergebiet in Südtirol von einer Lawine erfasst worden. Bereits am Vortag waren drei weitere deutsche Alpinisten tot geborgen worden.
Suche unter schwierigen Bedingungen
Die Suche nach den Vermissten hatte am Samstagabend wegen der einbrechenden Dunkelheit unterbrochen werden müssen. Am Sonntagmorgen nahmen Bergretter die Arbeiten erneut auf – unterstützt von Drohnen und Wärmebildkameras. Schließlich entdeckten sie die beiden Körper rund 200 Meter unterhalb des vermuteten Lawinenabgangs. Nach Angaben der Einsatzkräfte gab es aufgrund der Sturzhöhe von Beginn an kaum Hoffnung auf Überlebende.
Lawine traf drei Gruppen deutscher Bergsteiger
Die deutschen Urlauber waren in drei voneinander unabhängigen Gruppen im Aufstieg zur über 3.500 Meter hohen Vertainspitze unterwegs. Laut Bergrettung bestand die größere Gruppe aus drei Personen, zwei weitere Gruppen aus je zwei Menschen. Zwei Männer überlebten das Unglück und konnten per Hubschrauber nach Bozen in ein Krankenhaus gebracht werden. Zu den weiteren Todesopfern machten die Behörden bislang keine genaueren Angaben.
Unglück kurz vor Einbruch der Dämmerung
Das Lawinenunglück ereignete sich gegen 16 Uhr in der Nordwand der Vertainspitze auf etwa 3.200 Metern Höhe. Noch bleibt unklar, weshalb die Bergsteiger zu dieser fortgeschrittenen Tageszeit weiter aufgestiegen waren. Der Anstieg gilt zwar nicht als technisch besonders schwierig, ist jedoch lang und konditionell fordernd. Nach Angaben der Retter waren die Gruppen bereits am Vormittag in Sulden gestartet. Die Lawine löste sich nach ersten Erkenntnissen rund hundert Meter unterhalb des Gipfels und überraschte die Alpinisten offenbar völlig.
Keine erhöhte Lawinenwarnstufe
Nach Einschätzung der Bergrettung herrschte am Samstag keine außergewöhnlich hohe Lawinengefahr. Die Schneemassen könnten sich dennoch durch Verwehungen gelöst haben, da der Neuschnee noch nicht ausreichend mit der älteren Schicht verbunden war. In der Nordwand der Vertainspitze gilt der Aufstieg als anspruchsvolle Eistour, für die Seiltechnik und vollständige Kletterausrüstung erforderlich sind.
Beliebtes Ziel mit hohem Risiko
Die Vertainspitze oberhalb von Sulden gilt wegen ihres Panoramas als beliebter Gipfel mit Blick auf den höchsten Berg Südtirols, den 3.905 Meter hohen Ortler. Nach Angaben der Bergwacht befanden sich zum Zeitpunkt des Unglücks keine weiteren Alpinisten in der Nordwand. Südtirol gehört insbesondere bei deutschen Wanderern und Bergsteigern zu den meistbesuchten Regionen Italiens.
Quellen
Zwei vermisste deutsche Bergsteiger tot gefunden – tagesschau.de
Lawine in Südtirol: Vermisste deutsche Bergsteiger tot gefunden – br.de

